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5G in Deutschland: Netze, Standalone und was dein Tarif können muss

5G ist die fünfte Generation des Mobilfunks und in Deutschland längst im Alltag angekommen. Die Telekom erreicht nach eigenen Angaben rund 97 Prozent der Haushalte mit 5G, O2 Telefónica …

5G ist die fünfte Generation des Mobilfunks und in Deutschland längst im Alltag angekommen. Die Telekom erreicht nach eigenen Angaben rund 97 Prozent der Haushalte mit 5G, O2 Telefónica rund 96 Prozent, Vodafone gut 92 Prozent. Trotzdem ist 5G nicht gleich 5G: Frequenz, Netzaufbau und Tarif entscheiden darüber, ob du wirklich schneller surfst oder nur ein neues Symbol in der Statusleiste siehst.

Hier erfährst du, welche Netze es gibt, was hinter 5G Standalone steckt und worauf du bei Handy und Tarif achten solltest.

Was 5G von LTE unterscheidet

Der Vorgänger LTE (4G) ist bis heute das Rückgrat des Mobilfunks. 5G setzt darauf auf und bringt drei Verbesserungen:

  • Mehr Tempo: Unter guten Bedingungen sind im Download mehrere hundert Megabit pro Sekunde möglich, in Spitzen über ein Gigabit.
  • Mehr Kapazität: In vollen Stadien, Bahnhöfen oder Innenstädten teilen sich mehr Nutzer eine Funkzelle, ohne dass das Netz in die Knie geht.
  • Kürzere Reaktionszeit: Die Latenz sinkt, was beim Cloud-Gaming, bei Videotelefonie und in der Industrie zählt.

Wie sich die Standards von GSM über UMTS bis heute entwickelt haben, zeigt unser Überblick über die Mobilfunk-Generationen.

Die Frequenzen: Warum 5G mal schnell und mal langsam ist

In Deutschland funkt 5G auf mehreren Frequenzbändern. Jedes hat eigene Stärken:

Frequenz Stärke Schwäche
700 MHz große Reichweite, gute Versorgung auf dem Land und in Gebäuden Tempo kaum höher als bei LTE
1,8 und 2,1 GHz solider Mittelweg, oft per DSS mit LTE geteilt geteilte Kapazität mit 4G
3,6 GHz sehr hohe Datenraten, viel Kapazität geringe Reichweite, dringt schlecht durch Wände

DSS steht für Dynamic Spectrum Sharing. Dabei teilen sich LTE und 5G dieselbe Frequenz. Das erklärt, warum dein Handy „5G“ anzeigt, die Geschwindigkeit aber auf LTE-Niveau bleibt. Richtig schnell wird es meist nur in Reichweite einer 3,6-GHz-Antenne, und die stehen vor allem in Städten.

Die Netze im Überblick

Telekom

Die Telekom hat das dichteste 5G-Netz und schneidet in unabhängigen Netztests regelmäßig vorn ab. Neben den Magenta-Tarifen nutzen auch congstar und viele Discounter das Telekom-Netz, teils mit gedrosselter Höchstgeschwindigkeit.

Vodafone

Vodafone hat 5G früh ausgebaut und bietet 5G Standalone schon länger für Privatkunden an. Viele Discounter und die Marke 1&1 nutzen Vodafone als Partner.

O2 Telefónica

O2 hat bei der 5G-Abdeckung stark aufgeholt und 5G Standalone für Privatkunden breit eingeführt. Im O2-Netz funken unter anderem Blau und viele weitere Discount-Marken.

1&1

1&1 baut als vierter Netzbetreiber ein eigenes Netz auf Basis von Open RAN auf. Wo es noch keine eigenen Antennen gibt, surfen Kunden per National Roaming im Vodafone-Netz.

Die Abdeckung vor Ort prüfst du am besten in den Netzkarten der Anbieter. Unabhängige Messwerte liefert die App „Breitbandmessung“ der Bundesnetzagentur, mit der du auch Funklöcher melden kannst.

5G Standalone: Was das „echte“ 5G bringt

Die meisten 5G-Verbindungen liefen lange als 5G Non-Standalone (NSA). Dabei hängt die 5G-Funkzelle an einem LTE-Kernnetz. Das Handy baut erst eine LTE-Verbindung auf und bekommt 5G als Turbo dazu.

Bei 5G Standalone (SA) arbeitet 5G mit einem eigenen Kernnetz, ganz ohne LTE-Anker. Das bringt:

  • deutlich kürzere Latenz,
  • schnelleren Verbindungsaufbau,
  • Network Slicing, also reservierte Netzabschnitte, etwa für Live-Übertragungen oder Gaming-Optionen,
  • Telefonie direkt über 5G (VoNR, Voice over New Radio),
  • bei vielen Geräten einen geringeren Energieverbrauch, weil nicht zwei Funkverbindungen parallel laufen.

Für 5G SA brauchen drei Dinge zusammenzupassen: Das Netz muss es vor Ort anbieten, dein Tarif muss dafür freigeschaltet sein und dein Handy muss es unterstützen. Bei O2 und Vodafone ist das in vielen aktuellen Tarifen enthalten. Die Telekom hat 5G SA zunächst über Zusatzoptionen und für ausgewählte Geräte geöffnet. Welche Smartphones kompatibel sind, veröffentlichen die Netzbetreiber in Gerätelisten.

Welches Handy du für 5G brauchst

Fast jedes neue Smartphone ab der unteren Mittelklasse kann heute 5G. Achte beim Kauf auf zwei Punkte:

  1. Frequenzband n78 (3,6 GHz): Ohne dieses Band nutzt du nur das langsamere 5G auf niedrigen Frequenzen. Das Band steht im Datenblatt.
  2. Software-Updates: Netzbetreiber schalten Funktionen wie 5G SA oder VoNR oft nur für Geräte mit aktueller Firmware frei. Ein Handy mit langer Update-Zusage ist deshalb auch beim Netz im Vorteil.

Kaufst du ein Gerät direkt vom Hersteller statt vom Netzbetreiber, kann es vorkommen, dass einzelne Funktionen erst mit einem späteren Update freigeschaltet werden. Das betrifft vor allem Importgeräte und günstige Modelle weniger bekannter Marken.

5G im Tarif: Darauf solltest du achten

  • Ist 5G enthalten? Bei den Netzbetreibern ist 5G inzwischen Standard. Bei Discountern gibt es noch Tarife ohne 5G oder mit 5G nur gegen Aufpreis.
  • Welche Geschwindigkeit? Viele günstige Tarife begrenzen die Höchstgeschwindigkeit, etwa auf 50 oder 100 Mbit/s. Für Streaming und Social Media reicht das völlig.
  • Wie viel Datenvolumen? Schnelles Netz nützt wenig, wenn das Volumen nach einer Woche aufgebraucht ist. Mit 5G verbrauchst du oft mehr, weil Videos automatisch in höherer Qualität laden.
  • 5G SA und VoNR: Wenn dir kurze Reaktionszeiten wichtig sind, frag gezielt nach, ob dein Tarif Standalone nutzt.

Ob Laufzeitvertrag oder Prepaid besser zu dir passt, steht in unserem Ratgeber rund um den Handyvertrag.

5G am Handy ein- und ausschalten

Auf dem iPhone findest du die Einstellung unter Einstellungen > Mobilfunk > Mobilfunk-Datenoptionen > Sprache & Daten. „5G Auto“ nutzt 5G nur, wenn es einen spürbaren Vorteil bringt, und schont so den Akku. „5G ein“ erzwingt 5G, „LTE“ schaltet es ab.

Unter Android heißt die Einstellung meist Bevorzugter Netzwerktyp (Pixel: Einstellungen > Netzwerk & Internet > SIMs; Samsung: Einstellungen > Verbindungen > Mobile Netzwerke > Netzmodus). Wähle dort „5G/LTE/3G/2G (automatisch)“.

Frisst 5G in einer Region mit schwachem Empfang spürbar Akku, weil das Handy ständig zwischen den Netzen springt, lohnt der Wechsel auf LTE als Test.

5G zu Hause: Router statt DSL?

Wo DSL langsam ist und Glasfaser noch fehlt, kann ein 5G-Router eine echte Alternative sein. Die Netzbetreiber bieten dafür eigene Tarife an, oft mit unbegrenztem Datenvolumen, aber auf eine Adresse beschränkt. Ob sich das lohnt, hängt stark vom Standort ab:

  • Stell den Router ans Fenster in Richtung des nächsten Sendemasts. Schon ein Stockwerk höher kann die Datenrate deutlich steigen.
  • Viele Router zeigen Signalwerte wie RSRP und SINR an. Probiere mehrere Plätze aus und nimm den mit den besten Werten.
  • Bei schwachem Empfang helfen Außenantennen, die an den Router angeschlossen werden.
  • Abends, wenn viele Menschen in der Funkzelle surfen, sinkt die Geschwindigkeit. Für Homeoffice mit Videokonferenzen ist ein Test über mehrere Tage sinnvoll.

Für unterwegs reicht meist der Hotspot des Handys. Achte darauf, dass dein Tarif Tethering erlaubt und genug Volumen enthält.

Wie geht es weiter?

Das 3G-Netz ist in Deutschland seit 2021 abgeschaltet. Als Nächstes folgt 2G: Die Telekom will ihr GSM-Netz Mitte 2028 abschalten, Vodafone und O2 planen den Schritt ebenfalls für 2028. Die frei werdenden Frequenzen fließen in LTE und 5G. Wer ein sehr altes Handy ohne VoLTE nutzt, kann danach nicht mehr telefonieren. Parallel wird 5G Standalone weiter ausgebaut, und die Forschung arbeitet bereits am Nachfolger 6G.

Häufige Fragen

Ist 5G gesundheitsschädlich?

Nach Einschätzung des Bundesamts für Strahlenschutz gibt es bei Einhaltung der Grenzwerte keine gesicherten Belege für gesundheitliche Schäden durch 5G. Die Grenzwerte gelten für alle Mobilfunkgenerationen gleich.

Warum zeigt mein Handy 5G an, ist aber langsam?

Meist bist du mit einer 5G-Zelle auf niedriger Frequenz verbunden, die sich die Kapazität mit LTE teilt. Auch eine Drosselung im Tarif oder ein aufgebrauchtes Datenvolumen kommen infrage.

Brauche ich eine neue SIM-Karte für 5G?

Bei sehr alten SIM-Karten kann ein Tausch nötig sein. Aktuelle Karten und eSIM-Profile sind 5G-fähig.

Verbraucht 5G mehr Akku?

Im Non-Standalone-Betrieb halten Handys zwei Funkverbindungen aufrecht, das kostet Energie. Mit 5G Standalone und neueren Chips ist der Unterschied zu LTE gering.