Riegel, Klappe, Schieber, Drehgelenk – und heute das faltbare Display: Die Bauform eines Handys bestimmt, wie es in der Hand liegt, wie gut es in die Tasche passt und wie der Bildschirm geschützt ist. Diese Übersicht zeigt alle wichtigen Formfaktoren mit ihren Vorreitern und erklärt, welche Bauarten es heute noch gibt.
Die Bauformen im Überblick
Handys mit Klappe oder Schieber, die nur die Tastatur schützen, zählen streng genommen zu den Riegel-Handys. Der Begriff „Clamshell“ bedeutet „Muschelschale“ und beschreibt die zwei aufklappbaren Hälften. „Flip Phone“ war ursprünglich eine Marke der US-Firma GTE für Festnetztelefone.
Foldables: das Klapphandy kehrt zurück
Faltbare Smartphones verbinden ein biegsames OLED-Display mit einem Scharnier. So passt ein großer Bildschirm in ein kompaktes Gehäuse. Erste Geräte wie das Royole FlexPai (2018) und das Samsung Galaxy Fold (2019) waren noch empfindlich, inzwischen halten die Scharniere nach Herstellerangaben mehrere Hunderttausend Faltvorgänge aus.
Buchform (Book-Style)
Aufgeklappt hast du ein Tablet mit rund 8 Zoll, zugeklappt ein schmales Smartphone mit eigenem Außendisplay. Vertreter sind die Samsung Galaxy Z Fold-Reihe, das Google Pixel 10 Pro Fold und die Honor Magic V-Serie. Im September 2026 hat Apple mit dem iPhone Duo sein erstes Foldable vorgestellt, der Verkauf startet im Oktober – zugeklappt etwa im Format eines Reisepasses.
Flip-Form
Die moderne Variante des Klapphandys: Aufgeklappt ist es ein normales Smartphone, zugeklappt ein kleines Quadrat, das in jede Hosentasche passt. Ein Außendisplay zeigt Uhrzeit, Nachrichten und dient als Sucher für Selfies mit der Hauptkamera. Motorola belebte 2019 den Razr neu, Samsung verkauft seit 2020 die Galaxy Z Flip-Reihe.
Tri-Fold
Zweifach gefaltete Geräte bieten aufgeklappt einen Bildschirm von rund 10 Zoll. Huawei zeigte 2024 mit dem Mate XT das erste Serienmodell, Samsung folgte Ende 2025 mit dem Galaxy Z TriFold.
Vor- und Nachteile
- Vorteile: großer Bildschirm für Filme, Dokumente und zwei Apps nebeneinander; Flip-Modelle sind zugeklappt besonders kompakt.
- Nachteile: Preise meist deutlich über 1.000 Euro, eine sichtbare Falz im Display, empfindlichere Displayfolie und oft kleinere Akkus als bei gleich teuren klassischen Smartphones.
Wie sich das Vollbild-Smartphone verändert hat
Auch innerhalb der Riegelform hat sich viel getan. Die großen Schritte der letzten 15 Jahre:
- Schmalere Ränder: Frühe Smartphones hatten breite Ränder oben und unten für Lautsprecher, Kamera und Home-Taste. Ab 2017 ließen Samsung Galaxy S8 und iPhone X das Display fast bis an den Rand laufen.
- Notch und Kameraloch: Die Frontkamera wanderte in eine Aussparung – erst als Kerbe (Notch) wie beim iPhone X, dann als kleines Loch im Display (Punch-Hole). Apple nutzt seit dem iPhone 14 Pro die längliche Dynamic Island.
- Längeres Format: Das Seitenverhältnis stieg von 16:9 auf etwa 19,5:9 bis 20:9. Die Handys wurden dadurch höher, blieben aber schmal genug für eine Hand.
- Gebogene und flache Kanten: Seitlich abgerundete Displays waren um 2015 bis 2022 beliebt, heute setzen die meisten Hersteller wieder auf flache Displays, weil sie weniger versehentliche Berührungen auslösen und sich leichter mit Schutzglas bekleben lassen.
- Weniger Tasten und Anschlüsse: Kopfhörerbuchse und microSD-Steckplatz sind bei Oberklasse-Modellen verschwunden, dafür gibt es Zusatztasten wie Apples Aktionstaste oder die Kamerasteuerung.
Weitere Bauformen von heute
- Vollbild-Smartphone (Slate): der Standard. Das Display nimmt fast die ganze Vorderseite ein, Tasten gibt es nur noch an der Seite.
- Ultradünne Modelle: Das iPhone Air ist 5,6 Millimeter dünn, das Samsung Galaxy S25 Edge rund 5,8 Millimeter. Der Preis dafür sind kleinere Akkus und weniger Kameras.
- Outdoor-Handys: dicke Gehäuse mit Schutzklasse IP68 oder IP69 und Tests nach dem US-Militärstandard MIL-STD-810H.
- Seniorenhandys: häufig als Klapphandy mit großen Tasten und Notruftaste.
- Tastatur-Smartphones: fast verschwunden. Letzte bekannte Vertreter waren BlackBerry-Geräte wie das BlackBerry Priv mit ausziehbarer Tastatur.
Welche Bauform passt zu dir?
- Du willst ein robustes Alltagsgerät zum fairen Preis? Dann bleibt das klassische Vollbild-Smartphone die beste Wahl.
- Du liest viel, arbeitest unterwegs mit Dokumenten oder schaust Filme? Ein Foldable in Buchform ersetzt dir das Tablet.
- Dir ist das Handy zu groß für die Tasche? Ein Flip-Modell ist zugeklappt nur halb so lang.
- Du arbeitest auf dem Bau oder bist viel draußen? Ein Outdoor-Handy verzeiht Stürze und Wasser.
- Du willst einfach nur telefonieren? Ein Klapphandy mit Tasten hält oft eine Woche durch.
Wie sich die Bauformen im Lauf der Zeit entwickelt haben, zeigt auch unser Beitrag über die Meilensteine der Handy-Geschichte.
Häufige Fragen
Was ist ein Candy-Bar-Handy?
Ein Handy in Riegelform ohne bewegliche Teile – benannt nach dem englischen Wort für Schokoriegel. Heutige Smartphones sind die Weiterentwicklung dieser Form.
Wie lange hält ein faltbares Display?
Hersteller geben meist mehrere Hunderttausend Faltvorgänge an, bei 100 Mal Auf- und Zuklappen am Tag also mehrere Jahre. Empfindlicher ist die Schutzfolie auf dem Innendisplay, die du nicht selbst abziehen solltest.
Gibt es noch neue Klapphandys mit Tasten?
Ja, vor allem als Seniorenhandys und einfache 4G-Telefone, etwa von Doro, Emporia oder Nokia (HMD).
Sind Foldables wasserdicht?
Viele aktuelle Modelle sind nach IPX8 gegen Untertauchen geschützt, aber kaum gegen Staub, weil das Scharnier bewegliche Spalten hat. Sand in der Hosentasche ist deshalb gefährlicher als ein Regenschauer.
Was war das erste Smartphone?
Der IBM Simon von 1994. Er hatte Touchscreen, Kalender, E-Mail und Faxfunktion.








