Hersteller Mobiltelefone – Handyanbieter

Ericsson Handys

Ericsson-Handys gibt es seit über zwei Jahrzehnten nicht mehr zu kaufen, doch die Marke steckt in fast jedem Smartphone.

Tastatur eines Ericsson Handy

Ericsson-Handys gibt es seit über zwei Jahrzehnten nicht mehr zu kaufen, doch die Marke steckt in fast jedem Smartphone. Der schwedische Konzern baute in den 1990er-Jahren einige der beliebtesten Mobiltelefone Europas, erfand Bluetooth und brachte das erste Gerät, das als „Smartphone“ vermarktet wurde. 2001 ging das Handygeschäft im Gemeinschaftsunternehmen Sony Ericsson auf, 2012 zog sich Ericsson ganz zurück. Heute ist Ericsson einer der drei großen Netzausrüster der Welt. Hier findest du die wichtigsten Modelle, die Gründe für den Ausstieg und das, was von Ericsson in deinem Alltag geblieben ist.

Vom Telefonbauer zum Mobilfunkpionier

Lars Magnus Ericsson gründete das Unternehmen 1876 in Stockholm als Werkstatt für Telegrafen und Telefone. Aus der Werkstatt wurde einer der größten Telefonhersteller Europas, der Vermittlungstechnik in viele Länder lieferte. Früh stieg Ericsson in den Mobilfunk ein: Der Konzern lieferte Technik für das skandinavische NMT-Netz, das 1981 als eines der ersten automatischen Mobilfunknetze startete, und später für viele GSM-Netze in Europa.

Vor den Handys kamen die Autotelefone. Erst mit dem digitalen GSM-Standard, der in Deutschland 1992 mit den D-Netzen startete, wurden Mobiltelefone klein genug für die Jackentasche.

Die Ericsson-Handys der 1990er-Jahre

Die ersten GSM-Handys

1992 kam mit dem GH172 eines der ersten Ericsson-Handys für die D-Netze auf den Markt. Es hatte eine ausziehbare Antenne und war für heutige Verhältnisse schwer und klobig. Das Nachfolgemodell brachte vor allem einen größeren Akku. 1995 folgte mit dem GF198 das erste Klapphandy von Ericsson, bei dem eine Klappe die Tastatur schützte.

Die Klassiker

  • Ericsson GA628 (1997): Ein robustes, erschwingliches Handy mit markanter Stummelantenne, das sich in Deutschland millionenfach verkaufte und für viele das erste eigene Handy war.
  • Ericsson T10s (1998): Kleines Klapphandy in bunten Farben, das sich an junge Käufer richtete.
  • Ericsson R250s Pro (1999): Staub- und wassergeschützt, stoßfest – eines der ersten Outdoor-Handys, beliebt auf Baustellen.
  • Ericsson T28 (1999): Extrem flach dank Lithium-Polymer-Akku, mit Klappe über der Tastatur. Es galt als Statussymbol.

R380: das erste „Smartphone“

Im Jahr 2000 brachte Ericsson das R380 auf den Markt. Klappte man die Tastatur weg, kam ein großer Touchscreen zum Vorschein, auf dem Kalender, Adressbuch und ein WAP-Browser liefen. Das R380 nutzte das Betriebssystem Symbian und war das erste Gerät, das offiziell als Smartphone vermarktet wurde.

Bluetooth und Farbe: T39 und T68

Das T39 kam 2001 als eines der ersten Handys mit eingebautem Bluetooth in den Handel. Das zuvor angekündigte T36 hatte es nie in die Läden geschafft. Ebenfalls 2001 erschien das T68, das erste Ericsson-Handy mit Farbdisplay (256 Farben) und Joystick zur Menüsteuerung. Nach der Gründung von Sony Ericsson wurde es als T68i weitergeführt.

Warum Ericsson das Handygeschäft abgab

Der Brand in Albuquerque

Im März 2000 schlug ein Blitz in eine Chipfabrik von Philips im US-Bundesstaat New Mexico ein. Ein kleiner Brand verunreinigte die Reinräume, die Produktion von Funkchips fiel wochenlang aus. Nokia reagierte schnell und sicherte sich Ersatzlieferanten. Ericsson war fast vollständig von diesem Werk abhängig und konnte monatelang nicht genug Handys bauen. Die Handysparte machte 2000 hohe Verluste.

Das Joint Venture Sony Ericsson

Ericsson suchte einen Partner und fand ihn in Sony. Am 1. Oktober 2001 startete Sony Ericsson Mobile Communications, beide Konzerne hielten je 50 Prozent. Ericsson brachte Mobilfunktechnik und Patente ein, Sony Design und Multimedia. Bekannt wurde das Gemeinschaftsunternehmen mit Walkman- und Cyber-shot-Handys, etwa dem W800i und dem K800i. Mehr zur Geschichte steht im Beitrag über Sony-Ericsson-Handys.

Der endgültige Ausstieg 2012

Mit dem Aufstieg von iPhone und Android geriet Sony Ericsson in die Verlustzone. Im Oktober 2011 einigten sich die Partner darauf, dass Sony die Ericsson-Hälfte für 1,05 Milliarden Euro übernimmt. Nach der Freigabe durch die EU-Kommission war der Verkauf im Februar 2012 abgeschlossen. Seitdem baut Ericsson keine Endgeräte mehr, das Handygeschäft läuft unter dem Namen Sony weiter.

Ericsson heute: Netzausrüster für 5G

Ericsson liefert heute die Technik, über die Handys telefonieren und surfen: Basisstationen, Antennen, Funknetzsoftware und 5G-Kernnetze. Zu den Kunden gehören große Netzbetreiber in Europa, Nordamerika und Asien, darunter auch die Anbieter in Deutschland. Die wichtigsten Wettbewerber sind Huawei und Nokia.

2025 setzte Ericsson rund 236,7 Milliarden schwedische Kronen um. Der Firmensitz liegt weiterhin in Stockholm. 2022 übernahm der Konzern den US-Anbieter Vonage, der Schnittstellen für Kommunikationsdienste anbietet, etwa für SMS- oder Sprachfunktionen in Apps.

Wo du Ericsson-Technik täglich nutzt

  • Im Mobilfunknetz: Wenn dein Smartphone sich mit einem Funkmast verbindet, steckt dort je nach Standort und Netzbetreiber oft Technik von Ericsson.
  • Bei Bluetooth: Der Funkstandard entstand 1994 in einem Ericsson-Labor im schwedischen Lund. Der Ingenieur Jaap Haartsen entwickelte die Grundlagen, der Name geht auf den dänischen Wikingerkönig Harald Blauzahn zurück. Heute verbindet Bluetooth Kopfhörer, Smartwatches, Autos und Lautsprecher.
  • Über Patente: Ericsson hält eines der größten Patentportfolios für Mobilfunkstandards wie LTE und 5G. Smartphonehersteller zahlen dafür Lizenzgebühren. Ein Streit mit Apple über diese Gebühren wurde im Dezember 2022 mit einem Lizenzabkommen beigelegt.

Innovationen von Ericsson auf einen Blick

  • 1994: Entwicklung von Bluetooth in Lund
  • 1999: T28 – eines der flachsten Handys seiner Zeit
  • 2000: R380 – erstes als Smartphone vermarktetes Gerät
  • 2001: T39 – eines der ersten Handys mit Bluetooth im Handel
  • 2001: T68 – erstes Ericsson-Handy mit Farbdisplay

Altes Ericsson-Handy wieder in Betrieb nehmen

Ein GA628, T28 oder T39 aus der Schublade lässt sich oft noch nutzen – mit ein paar Einschränkungen:

  1. SIM-Karte besorgen: Ericsson-Handys aus dieser Zeit nehmen nur SIM-Karten im Standardformat (Mini-SIM). Viele Anbieter liefern Kombi-SIMs, aus denen sich alle Größen herausbrechen lassen.
  2. Akku prüfen: Nach Jahrzehnten in der Schublade sind die Originalakkus meist tot oder aufgebläht. Ein aufgeblähter Akku gehört nicht mehr ins Gerät, sondern in die Sammelbox im Handel. Nachbauakkus gibt es für manche Modelle noch.
  3. Netz beachten: Diese Handys funken nur im 2G-Netz (GSM). Die Telekom will ihr 2G-Netz Ende Juni 2028 abschalten, Vodafone im September 2028, O2 Telefónica bis Ende 2028. Danach funktionieren sie nicht mehr zum Telefonieren.
  4. Nur für Anrufe und SMS: Mobiles Internet über WAP ist praktisch nicht mehr nutzbar, WhatsApp und andere Messenger laufen auf diesen Geräten nicht.

Als Sammlerstück sind gut erhaltene Ericsson-Handys wie das T28 oder das R380 gefragt, vor allem mit Originalverpackung.

Häufige Fragen

Gibt es noch Ericsson-Handys?

Nein. Ericsson hat das Handygeschäft 2001 in das Gemeinschaftsunternehmen Sony Ericsson eingebracht und seine Hälfte 2012 an Sony verkauft. Seitdem baut Ericsson keine Handys mehr.

Was macht Ericsson heute?

Ericsson baut Mobilfunknetze: Basisstationen, Antennen und Software für 4G und 5G. Außerdem verdient der Konzern mit Patentlizenzen für Mobilfunkstandards.

Hat Ericsson Bluetooth erfunden?

Ja. Bluetooth wurde ab 1994 bei Ericsson in Lund entwickelt. Heute betreut ein Industriekonsortium, die Bluetooth Special Interest Group, den Standard.

Was war das erste Smartphone von Ericsson?

Das Ericsson R380 aus dem Jahr 2000. Es hatte einen Touchscreen unter einer abklappbaren Tastatur und lief mit Symbian.

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