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Nokia Handys

Nokia war 14 Jahre lang der größte Handyhersteller der Welt. Das Nokia 1100 ist bis heute das meistverkaufte Handy aller Zeiten, der Klingelton „Nokia Tune" kennt fast jeder, und das 33 …

Ein Nokia Handy in der Hand eines Mannes

Nokia war 14 Jahre lang der größte Handyhersteller der Welt. Das Nokia 1100 ist bis heute das meistverkaufte Handy aller Zeiten, der Klingelton „Nokia Tune“ kennt fast jeder, und das 3310 gilt als unkaputtbar. Dann kam das iPhone, und Nokia verlor den Anschluss. Die Handysparte ging 2014 an Microsoft, die Marke später an HMD Global, und heute verschwindet der Name Nokia langsam aus dem Smartphone-Regal. Hier steht die ganze Geschichte – und was aus Nokia geworden ist.

Von der Papierfabrik zum Mobilfunk

Nokia begann 1865 als Papiermühle, gegründet von Fredrik Idestam in Südfinnland. Den Namen gab der Ort Nokia am gleichnamigen Fluss. 1967 schlossen sich die Papierfirma, die Finnischen Gummiwerke und die Finnischen Kabelwerke zur Nokia Corporation zusammen. Im Laufe des 20. Jahrhunderts produzierte der Konzern Gummistiefel, Autoreifen, Kabel und Fernseher. Erst in den 1980er- und 1990er-Jahren konzentrierte sich Nokia auf Telekommunikation. Der Firmensitz liegt heute in Espoo bei Helsinki.

Die ersten Mobiltelefone

1982 brachte Nokia gemeinsam mit dem Fernsehhersteller Salora das Mobira Senator heraus, ein Autotelefon für das skandinavische NMT-Netz mit rund 10 Kilogramm Gewicht. 1987 folgte das Mobira Cityman, eines der ersten tragbaren Handys. Berühmt wurde ein Foto, auf dem der sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow damit telefoniert.

Am 10. November 1992 stellte Nokia das 1011 vor, eines der ersten in Serie gebauten GSM-Handys. Es wog 475 Gramm und maß 195 x 60 x 45 Millimeter. Zwei Jahre später erschien das Nokia 2110, das erste Nokia mit dem bekannten Klingelton. Er basiert auf dem Gitarrenstück „Gran Vals“ des spanischen Komponisten Francisco Tárrega.

Die Jahre an der Spitze

1998: Nokia überholt Motorola

Mit günstigen, einfach zu bedienenden Handys wie dem Nokia 5110 überholte Nokia 1998 Motorola und wurde zum größten Handyhersteller der Welt. Wechselbare Oberschalen („Xpress-on Covers“), das Spiel „Snake“ und eine einheitliche Menüführung über alle Modelle machten die Geräte zum Massenprodukt.

Die Klassiker

  • Nokia 9000 Communicator (1996): Handy zum Aufklappen mit voller Tastatur, E-Mail, Fax und Internetzugang – ein Vorläufer der Smartphones.
  • Nokia 3210 (1999): Innenliegende Antenne, auswechselbare Cover, rund 160 Millionen verkaufte Exemplare.
  • Nokia 7110 (1999): Eines der ersten Handys mit WAP-Browser für mobiles Internet.
  • Nokia 3310 (2000): Robust, lange Akkulaufzeit, Kultstatus bis heute.
  • Nokia 8310 (2001): Kompaktes Handy mit eingebautem UKW-Radio.
  • Nokia 1100 (2003): Einfaches, robustes Handy für Schwellenländer mit Taschenlampe und Staubschutz. Mit rund 250 Millionen Exemplaren das meistverkaufte Handy überhaupt.
  • Nokia N95 (2007): Symbian-Smartphone mit GPS, 5-Megapixel-Kamera und WLAN.
  • Nokia N8 (2010): 12-Megapixel-Kamera mit Xenon-Blitz.
  • Nokia 808 PureView (2012): 41-Megapixel-Kamerasensor, damals einzigartig.

Der Absturz: Nokia und das iPhone

Als Apple 2007 das iPhone vorstellte, verkaufte Nokia mehr Handys als alle anderen Hersteller. Das eigene Betriebssystem Symbian war aber für Tasten und kleine Bildschirme gebaut, nicht für Fingerbedienung und App-Stores. Ein eigenes Nachfolgesystem namens MeeGo kam zu spät und erschien nur auf dem Nokia N9.

Dazu kam ein Problem für App-Entwickler: Symbian gab es in mehreren Varianten und Bildschirmgrößen, jede App musste mehrfach angepasst werden. Apple bot mit dem App Store ab 2008 eine einheitliche Plattform, Google mit Android ebenso. Nokias eigener Ovi Store startete erst 2009 und blieb klein. Während die Konkurrenz im Wochentakt neue Apps bekam, wirkten Nokia-Smartphones trotz guter Kameras und langer Akkulaufzeit schnell altmodisch.

Die Microsoft-Jahre

Im Februar 2011 verkündete Nokia-Chef Stephen Elop die Partnerschaft mit Microsoft: Statt Symbian und MeeGo sollten Nokia-Smartphones künftig mit Windows Phone laufen. Im Oktober 2011 kam das Lumia 800, später folgten das Lumia 920 und das Lumia 1020 mit 41-Megapixel-Kamera. Die Geräte waren gut verarbeitet und bunt, doch Windows Phone fehlten viele wichtige Apps. Im ersten Quartal 2012 überholte Samsung Nokia als größter Handyhersteller.

Verkauf an Microsoft 2014

Im September 2013 kündigte Microsoft an, die Handysparte von Nokia zu kaufen. Am 25. April 2014 war die Übernahme abgeschlossen, der Kaufpreis lag bei rund 5,4 Milliarden Euro inklusive Patentlizenzen. Microsoft strich den Namen Nokia bald von den Smartphones, sie hießen nun Microsoft Lumia. Mit dem Ende von Windows Phone war auch dieses Kapitel vorbei.

HMD Global und das Nokia-Comeback

2016 übernahm das neu gegründete finnische Unternehmen HMD Global, ebenfalls aus Espoo, die Rechte an der Marke Nokia für Handys und Tablets. Die Tastenhandys kaufte HMD von Microsoft, gemeinsam mit FIH Mobile, einer Tochter des Auftragsfertigers Foxconn. Anfang 2017 kam mit dem Nokia 6 das erste Nokia-Smartphone mit Android.

Große Aufmerksamkeit bekam auf dem Mobile World Congress 2017 die Neuauflage des Nokia 3310, 2018 folgte das Nokia 8110 4G, bekannt als „Bananen-Handy“. HMD verkaufte Nokia-Smartphones mit nahezu unverändertem Android und versprach regelmäßige Updates. An die alte Marktführerschaft konnte die Marke aber nicht anknüpfen.

Von Nokia zu HMD

Ab 2024 stellte HMD die eigene Marke in den Vordergrund. Neue Smartphones heißen seitdem HMD, etwa das HMD Skyline im Stil der alten Lumia-Modelle oder das HMD Fusion mit austauschbaren Rückseiten. Neue Nokia-Smartphones erscheinen nicht mehr. Unter dem Namen Nokia verkauft HMD weiterhin Tastenhandys, zum Beispiel das 2024 neu aufgelegte Nokia 3210 4G sowie einfache Modelle der 200er-Reihe mit 4G.

Was heute aus Nokia geworden ist

Die Nokia Oyj existiert weiter, baut aber keine Handys mehr. Der Konzern ist einer der großen Netzausrüster der Welt und liefert Mobilfunktechnik, Glasfasertechnik und Software an Netzbetreiber und Unternehmen. 2025 kaufte Nokia den US-Glasfaserspezialisten Infinera. Eine weitere wichtige Einnahmequelle sind Patente: Die Sparte Nokia Technologies vergibt Lizenzen für Mobilfunk- und Videostandards an Smartphonehersteller.

Tipps für Besitzer alter Nokia-Handys

  • Netz prüfen: Klassiker wie 3310 oder 6310 funken nur im 2G-Netz. Die Telekom will es Ende Juni 2028 abschalten, Vodafone im September 2028, O2 bis Ende 2028. Danach sind die Geräte nur noch Sammlerstücke.
  • Tastenhandy mit Zukunft: Wer ein einfaches Handy sucht, sollte zu einem 4G-Modell greifen. Diese telefonieren über VoLTE und funktionieren auch nach der 2G-Abschaltung.
  • Akku ersetzen: Die Akkus alter Nokia-Handys (etwa BL-5C) gibt es noch als Nachbau. Aufgeblähte Akkus gehören in die Sammelbox im Handel.
  • Nokia-Smartphones: Ältere Android-Modelle von HMD bekommen nach und nach keine Sicherheitsupdates mehr. Das Datum des letzten Patches steht in den Einstellungen unter „Über das Telefon“.

Häufige Fragen

Gibt es noch Nokia-Handys?

Ja, aber nur noch als Tastenhandys. HMD verkauft Modelle wie das Nokia 3210 4G unter Lizenz. Neue Nokia-Smartphones gibt es nicht mehr, HMD bringt Smartphones unter eigener Marke heraus.

Wem gehört die Marke Nokia?

Die Marke gehört weiterhin der Nokia Oyj in Finnland. Für Handys hat sie HMD Global eine Lizenz erteilt.

Was war das meistverkaufte Nokia-Handy?

Das Nokia 1100 aus dem Jahr 2003 mit rund 250 Millionen Exemplaren. Es gilt als meistverkauftes Handy aller Zeiten.

Was macht Nokia heute?

Nokia baut Mobilfunk- und Glasfasernetze und verdient mit Patentlizenzen. Mit Endgeräten hat der Konzern selbst nichts mehr zu tun.

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