Hersteller Mobiltelefone – Handyanbieter

LG Handys

LG Electronics aus Seoul war fast zwei Jahrzehnte lang einer der großen Handyhersteller der Welt.

Abbildung eines LG Handy (Chocolate)

LG Electronics aus Seoul war fast zwei Jahrzehnte lang einer der großen Handyhersteller der Welt. Der Konzern brachte das erste Smartphone mit Doppelkernprozessor, baute zwei Nexus-Geräte für Google und experimentierte mit gebogenen, modularen und drehbaren Displays. Im April 2021 zog LG trotzdem den Stecker: Die Mobilsparte hatte sechs Jahre in Folge Verluste geschrieben. Hier steht, wie der Aufstieg verlief, welche Modelle Geschichte geschrieben haben, warum LG aufgab und was Besitzer eines LG-Handys heute wissen müssen.

Vom Radiobauer GoldStar zum Handyhersteller

Die Wurzeln von LG Electronics reichen ins Jahr 1958 zurück. Damals entstand in Südkorea die Firma GoldStar, die zunächst Radios, später Fernseher, Kühlschränke und Waschmaschinen baute. Der heutige Name LG geht auf die Fusion von Lucky (Chemie) und GoldStar (Elektronik) zurück. LG ist nach Samsung der zweitgrößte Elektronikkonzern Südkoreas.

Handys entwickelte LG zunächst für den Heimatmarkt und für US-Netzbetreiber. In Europa tauchte die Marke 2002 auf, mit den Klapphandys G5200 und G7000. Die Geräte waren solide, aber unauffällig. Gegen Nokia, Siemens und Motorola, die damals den europäischen Markt unter sich aufteilten, kamen sie kaum an.

Die Designjahre: Chocolate und Prada

LG Chocolate (KG800)

Den Durchbruch brachte 2006 das LG Chocolate. Das schwarz glänzende Schiebehandy hatte statt klassischer Tasten rot beleuchtete Sensorfelder unter der Oberfläche. Das Gerät wirkte wie ein Designobjekt und wurde weltweit zum Bestseller. LG gründete darauf die sogenannte Black Label Series, zu der später auch das Shine mit Metallgehäuse gehörte.

LG Prada (KE850) und Prada II (KF900)

Noch vor dem ersten iPhone stellte LG gemeinsam mit dem Modehaus Prada das KE850 vor. Es kam Anfang 2007 in den Handel, auch in Deutschland, und ließ sich fast vollständig über einen kapazitiven Touchscreen bedienen. Das Gerät gewann unter anderem den red dot design award „Best of the Best“ und gilt als eines der ersten Handys ohne klassische Tastatur. Der Nachfolger KF900 (Prada II) ergänzte eine ausziehbare Volltastatur und eine 5-Megapixel-Kamera.

Die Smartphone-Jahre: viele Premieren, wenig Gewinn

Optimus-Reihe

Mit Android setzte LG ab 2010 auf die Marke Optimus. Das Optimus 2X war Anfang 2011 das erste Smartphone mit Doppelkernprozessor (Nvidia Tegra 2). Kurz darauf folgte das Optimus 3D mit einem Display, das 3D-Bilder ohne Brille zeigte, und einer Doppelkamera für 3D-Fotos und -Videos. Das Optimus Vu setzte 2012 auf ein ungewöhnliches 4:3-Format mit 5 Zoll.

Nexus 4 und Nexus 5 für Google

LG baute die Google-Smartphones Nexus 4 (2012) und Nexus 5 (2013). Beide Geräte liefen mit reinem Android, bekamen Updates direkt von Google und waren für ihre Leistung auffallend günstig. Gerade das Nexus 5 hat bis heute einen guten Ruf unter Android-Fans.

G-Serie

  • LG G2 (2013): Lautstärke- und Einschalttaste wanderten auf die Rückseite unter die Kamera.
  • LG G Flex (2013): Display und Gehäuse waren leicht gebogen, die Rückseite konnte kleine Kratzer selbst ausgleichen.
  • LG G4 (2015): Wahlweise mit Rückseite aus echtem Leder; die Kamera galt als eine der besten ihrer Zeit.
  • LG G5 (2016): Modulares Konzept – die Unterseite ließ sich abziehen und gegen „Friends“-Module wie einen Kameragriff oder einen Hi-Fi-Verstärker tauschen. Kaum jemand kaufte die Module, das Konzept wurde nach einer Generation beerdigt.

V-Serie

Die V-Serie richtete sich an Nutzer, die viel filmen und Musik hören. Das V10 (2015) hatte ein kleines Zweitdisplay über dem Hauptbildschirm, spätere Modelle wie das V20 bekamen einen hochwertigen Quad-DAC für Kopfhörer. Den Klinkenanschluss behielt LG bis zum Schluss, als viele Konkurrenten ihn längst gestrichen hatten.

Warum LG aufgab

Ab dem zweiten Quartal 2015 schrieb die Mobilsparte nur noch Verluste, am Ende summierten sie sich auf rund 4,5 Milliarden US-Dollar. LG steckte zwischen zwei Fronten fest: Im Premiumsegment dominierten Samsung und Apple, im Einsteiger- und Mittelklassebereich drängten chinesische Hersteller wie Xiaomi, Oppo und Vivo mit sehr günstigen Geräten nach.

Hinzu kamen hausgemachte Probleme. Viele LG-Modelle bekamen Android-Updates spät oder gar nicht, was das Vertrauen der Käufer beschädigte. Die G4- und V10-Generation litt unter einem bekannten Fehler, bei dem die Geräte in Endlosschleifen neu starteten. Und die vielen Experimente – modular, gebogen, zwei Displays – kosteten Entwicklungsgeld, ohne dass daraus eine starke Produktlinie entstand.

Die letzten Versuche: Velvet, Wing, Rollable

2020 versuchte LG einen Neustart. Das LG Velvet setzte auf Design statt Datenblatt, das LG Wing hatte ein Hauptdisplay, das sich um 90 Grad drehen ließ und darunter einen zweiten Bildschirm freigab. Auf der CES im Januar 2021 zeigte LG noch ein Smartphone mit ausrollbarem Display. Es kam nie in den Handel.

Das Ende 2021

Am 5. April 2021 gab LG den Ausstieg offiziell bekannt. Bis zum 31. Juli 2021 wurde das Handygeschäft weltweit eingestellt. LG begründete den Schritt damit, sich auf Fahrzeugkomponenten, vernetzte Geräte, Smart Home, Robotik und künstliche Intelligenz konzentrieren zu wollen. Ein Verkauf der Sparte, etwa an Vingroup aus Vietnam, war zuvor im Gespräch, kam aber nicht zustande.

Für bereits verkaufte Geräte sagte LG Software-Updates zu: Premiummodelle ab dem Jahrgang 2019 (G-Serie, V-Serie, Velvet, Wing) sollten bis zu drei Android-Versionen erhalten, einige günstigere 2020er-Modelle aus der K-Serie zwei. Diese Zusagen sind inzwischen ausgelaufen.

Was heute aus LG geworden ist

LG Electronics ist nach wie vor ein großer Konzern, verdient sein Geld aber mit anderen Produkten: OLED-Fernseher, Waschmaschinen, Kühlschränke, Klimaanlagen und Wärmepumpen sowie Komponenten für Elektroautos wie Antriebe und Infotainmentsysteme. Das Know-how aus der Handysparte floss unter anderem in die Bereiche vernetztes Zuhause und Fahrzeugelektronik.

LG-Smartphones gibt es neu nicht mehr zu kaufen. Was im Handel oder auf Gebrauchtportalen auftaucht, sind Restposten oder Gebrauchtgeräte.

Was LG-Besitzer wissen müssen

  • Keine Sicherheitsupdates mehr: Auch die jüngsten Modelle wie Velvet und Wing bekommen keine Sicherheitspatches mehr. Für Onlinebanking, Bezahl-Apps und Firmen-E-Mail ist das ein Risiko.
  • Apps fallen nach und nach weg: Viele Apps setzen eine Mindestversion von Android voraus. Je älter die Android-Version, desto eher lassen sich Banking- oder Messenger-Apps nicht mehr installieren.
  • Daten sichern: Wer wechselt, überträgt Kontakte, Fotos und Chats am einfachsten über das Google-Konto und die Backup-Funktion der jeweiligen Messenger-App. Die frühere LG-Backup-App wird nicht mehr gepflegt.
  • Als Zweitgerät noch brauchbar: Als Musikplayer mit gutem Kopfhörerausgang, Diktiergerät oder Navigationsgerät im Auto leisten alte LG-Smartphones weiterhin gute Dienste – ohne sensible Konten darauf.

Häufige Fragen

Baut LG noch Handys?

Nein. LG hat am 5. April 2021 den Ausstieg angekündigt und die Handysparte bis zum 31. Juli 2021 geschlossen. Neue LG-Smartphones gibt es seitdem nicht.

Was war das letzte LG-Smartphone?

Die letzten regulär verkauften Modelle waren das LG Velvet und das LG Wing aus dem Jahr 2020. Das auf der CES 2021 gezeigte LG Rollable kam nicht mehr auf den Markt.

Bekommt mein LG-Handy noch Updates?

Nein. Die zugesagten bis zu drei Android-Updates für Modelle ab 2019 sind erfolgt oder ausgelaufen. Sicherheitsupdates liefert LG nicht mehr.

Warum hat LG aufgehört?

Die Mobilsparte schrieb ab 2015 durchgehend Verluste, zusammen rund 4,5 Milliarden US-Dollar. Gegen Samsung und Apple im oberen und chinesische Anbieter im unteren Preissegment fand LG keinen profitablen Platz.

Weiter im Thema