Hersteller Mobiltelefone – Handyanbieter

Sony-Ericsson Handys

Sony Ericsson war das Handy-Gemeinschaftsunternehmen des japanischen Elektronikkonzerns Sony und des schwedischen Netzausrüsters Ericsson.

Abbildung eines Sony Ericsson Handys (Cyber-shot)

Sony Ericsson war das Handy-Gemeinschaftsunternehmen des japanischen Elektronikkonzerns Sony und des schwedischen Netzausrüsters Ericsson. Zwischen 2001 und 2012 brachte es Kultgeräte wie das K750i, das erste Walkman-Handy W800i und das Cyber-shot-Handy K800i heraus. 2007 lieferte Sony Ericsson mehr als 100 Millionen Handys aus. Fünf Jahre später war das Joint Venture Geschichte. Hier liest du, wie es entstand, welche Modelle es prägten, woran es scheiterte und was heute davon übrig ist.

Die Gründung 2001

Um die Jahrtausendwende steckten beide Partner in Schwierigkeiten. Ericsson hatte nach einem Brand in einer Zulieferfabrik im Jahr 2000 massive Lieferprobleme und schrieb in der Handysparte hohe Verluste. Sony wiederum war im Handymarkt außerhalb Japans kaum vertreten. Im Sommer 2001 einigten sich die Konzerne darauf, ihre Handysparten zusammenzulegen. Am 1. Oktober 2001 nahm Sony Ericsson Mobile Communications mit Sitz in London die Arbeit auf, beide Mutterkonzerne hielten je 50 Prozent.

Die Rollen waren klar verteilt: Ericsson brachte Mobilfunktechnik, Patente und Kontakte zu Netzbetreibern ein, Sony das Know-how bei Design, Kameras, Musik und Unterhaltung. Das Logo, eine grüne Kugel mit silbernem Schwung, wurde bald zu einem der bekanntesten Markenzeichen im Handyregal.

Die ersten Erfolge: T68i, T610 und P800

Die ersten Geräte stammten noch aus der Ericsson-Entwicklung. Das T68i war die überarbeitete Version des Ericsson T68 mit Farbdisplay und konnte mit einer ansteckbaren Kamera Fotos aufnehmen. 2003 folgte das T610: kompakt, mit eingebauter Kamera und Farbdisplay, zu einem erschwinglichen Preis. Es wurde zu einem der meistverkauften Handys seiner Zeit.

Parallel startete Sony Ericsson 2002 mit dem P800 ins Smartphone-Segment. Das Gerät lief mit Symbian und der Oberfläche UIQ, hatte einen Touchscreen mit Stift und eine abnehmbare Tastaturklappe. Mit Kamera, E-Mail und Kalender war es für Geschäftsleute gedacht. Die Nachfolger P900, P910 und P990 setzten das Konzept fort.

Die Cyber-shot-Handys

Sony übertrug den Namen seiner Digitalkameras auf die Handys mit den besten Kameras. Schon das K750i von 2005 galt als Maßstab: Es hatte eine 2-Megapixel-Kamera mit Autofokus und einen Objektivschieber, der die Kamera beim Öffnen startete. In Deutschland wurde es zu einem Bestseller.

  • K800i (2006): Das erste Handy mit dem Cyber-shot-Logo. 3,2 Megapixel, Autofokus und ein Xenon-Blitz, wie er sonst nur in Kompaktkameras steckte.
  • K850i (2007): 5 Megapixel und ebenfalls Xenon-Blitz.
  • C905 (2008): Schiebehandy mit 8 Megapixeln, Xenon-Blitz und WLAN.
  • Satio (2009): Touchscreen-Handy mit 12-Megapixel-Kamera.

Die Walkman-Handys

2005 kam mit dem W800i das erste Handy mit Walkman-Logo auf den Markt. Es war weiß mit orangefarbenen Akzenten, hatte eine eigene Musiktaste, einen MP3-Player mit guter Klangqualität und lag mit Stereokopfhörern im Karton. Laut Hersteller lief die Musikwiedergabe bis zu 30 Stunden am Stück. Der Walkman-Name, bekannt vom tragbaren Kassettenspieler, verkaufte die Geräte fast von selbst.

  • W550i (2005): Kompakter Walkman-Klapper mit drehbarem Gehäuse.
  • W810i (2006): Nachfolger des W800i im schwarzen Design.
  • W950i (2006): Symbian-Smartphone mit 4 GB internem Speicher.
  • W910i (2007): Schiebehandy, bei dem man durch Schütteln zum nächsten Lied springen konnte.
  • W995 (2009): Schiebehandy mit 8-Megapixel-Kamera, WLAN und normalem 3,5-mm-Kopfhöreranschluss.

Der Höhepunkt 2007 und der schnelle Abstieg

2007 lieferte Sony Ericsson 103,4 Millionen Handys aus und machte über eine Milliarde Euro Gewinn. Das Unternehmen gehörte zu den größten Handyherstellern der Welt. Doch im selben Jahr stellte Apple das iPhone vor, 2008 kamen die ersten Android-Smartphones. Sony Ericsson setzte weiter auf klassische Handys und auf Symbian, während sich Käufer zunehmend Touchscreen-Smartphones mit App-Store wünschten.

2008 sanken die Auslieferungen auf 96,6 Millionen, das Unternehmen rutschte in die roten Zahlen. In den Folgejahren schrumpften Absatz und Marktanteil weiter, obwohl die Handys technisch oft gut waren.

Warum der Umstieg misslang

  • Zu lange auf Symbian gesetzt: Die eigene Smartphone-Oberfläche UIQ wurde 2009 eingestellt. Bis dahin hatte Sony Ericsson viel Geld in eine Plattform gesteckt, für die kaum Apps entstanden.
  • Später Android-Start mit alter Software: Das Xperia X10 kam 2010 mit Android 1.6 in den Handel, obwohl bereits neuere Versionen verfügbar waren. Das Update ließ lange auf sich warten und kostete Vertrauen.
  • Zwei Mütter, langsame Entscheidungen: Als Joint Venture musste Sony Ericsson strategische Schritte mit zwei Konzernen abstimmen, die unterschiedliche Interessen hatten. Ericsson wollte vor allem Netze verkaufen, Sony seine Unterhaltungsmarken stärken.
  • Preisdruck von unten: Bei günstigen Handys verlor das Unternehmen Marktanteile an Samsung, LG und chinesische Anbieter.

Smartphones: der Weg zu Xperia

Die Marke Xperia startete 2008 mit dem Xperia X1, einem Schiebe-Smartphone mit Windows Mobile. Die Wende kam 2010 mit dem Xperia X10, dem ersten Android-Smartphone des Unternehmens. Es folgten 2011 das besonders flache Xperia arc und das Xperia Play, ein Smartphone mit ausschiebbarem Gamepad im PlayStation-Stil. Eines der letzten Handys unter dem Namen Sony Ericsson war das Messaging-Handy txt pro mit Schiebetastatur.

Das Ende 2012

Im Oktober 2011 vereinbarten die Partner, dass Sony die Anteile von Ericsson für 1,05 Milliarden Euro übernimmt. Nach der Zustimmung der EU-Kommission war der Verkauf im Februar 2012 abgeschlossen. Aus Sony Ericsson wurde Sony Mobile Communications, die Zentrale zog von London nach Tokio. Das grüne Kugel-Logo verschwand von den Geräten, auf den Smartphones stand fortan nur noch „Sony“. Das Xperia S, noch unter dem gemeinsamen Dach entwickelt, kam bereits als Sony-Smartphone in den Handel. Ericsson konzentrierte sich danach ganz auf Mobilfunknetze.

Meilensteine von Sony Ericsson

  • 2002: P800 – Smartphone mit Touchscreen, Kamera und abnehmbarer Tastaturklappe
  • 2003: T610 – Kamerahandy für den Massenmarkt
  • 2005: K750i – 2-Megapixel-Kamera mit Autofokus
  • 2005: W800i – erstes Walkman-Handy
  • 2006: K800i – erstes Cyber-shot-Handy mit Xenon-Blitz
  • 2010: Xperia X10 – erstes Android-Smartphone des Herstellers
  • 2011: Xperia Play – Smartphone mit Gamepad

Was heute daraus geworden ist

  • Sony: Führt die Xperia-Reihe bis heute fort, inzwischen als Teil des Elektronikgeschäfts des Konzerns. Mehr dazu im Beitrag über Sony-Handys.
  • Ericsson: Baut Basisstationen, Antennen und 5G-Netztechnik. Mehr dazu im Beitrag über Ericsson-Handys.
  • Die Kultmodelle: K750i, K800i und W800i sind heute beliebte Sammlerstücke. Zum Telefonieren taugen sie nur noch begrenzt: Sie funken im 2G-Netz, das die deutschen Netzbetreiber bis Ende 2028 abschalten wollen. UMTS-Modelle wie das K800i fallen ohnehin auf 2G zurück, da das 3G-Netz in Deutschland bereits abgeschaltet ist.

Häufige Fragen

Wann wurde Sony Ericsson gegründet?

Das Gemeinschaftsunternehmen nahm am 1. Oktober 2001 den Betrieb auf. Sony und Ericsson hielten je 50 Prozent.

Warum gibt es Sony Ericsson nicht mehr?

Nach dem Erfolg des iPhone und von Android geriet das Unternehmen ab 2008 in die Verlustzone. Sony kaufte Ericsson dessen Hälfte für 1,05 Milliarden Euro ab, der Verkauf war im Februar 2012 abgeschlossen.

Was war das erste Walkman-Handy?

Das Sony Ericsson W800i aus dem Jahr 2005. Es hatte eine eigene Musiktaste und orangefarbene Akzente.

Funktioniert ein altes Sony-Ericsson-Handy noch?

Für Anrufe und SMS meist ja, solange das 2G-Netz läuft. Die Telekom will es Ende Juni 2028 abschalten, Vodafone im September 2028 und O2 bis Ende 2028.

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