Handy Technik

Simlock bei Handys

Früher war er bei fast jedem Vertragshandy Standard, heute steckt er nur noch in wenigen Geräten: der Simlock.

Früher war er bei fast jedem Vertragshandy Standard, heute steckt er nur noch in wenigen Geräten: der Simlock. Er sorgt dafür, dass ein Handy nur mit SIM-Karten eines bestimmten Anbieters funktioniert. Hier erfährst du, wie du einen Simlock erkennst, wann du ihn kostenlos loswirst und wie du beim Entsperren vorgehst.

Was ist ein Simlock?

Ein Simlock ist eine Sperre in der Software des Handys. Sie prüft beim Start, von welchem Netzbetreiber die eingelegte SIM-Karte stammt. Passt die Karte nicht, verweigert das Handy die Anmeldung im Netz – Telefonieren, SMS und mobile Daten funktionieren dann nicht, Notrufe bleiben möglich.

Der Grund ist wirtschaftlich: Anbieter verkaufen Smartphones in Prepaid-Paketen oft deutlich unter dem Ladenpreis. Den Verlust wollen sie über die Nutzung ihres Netzes wieder hereinholen. Der Simlock verhindert, dass jemand das günstige Handy kauft und sofort mit einer fremden Karte nutzt.

Genau genommen gibt es mehrere Varianten:

  • Netlock: Das Handy akzeptiert alle Karten, die im Netz eines Betreibers funken – zum Beispiel alle Vodafone-Netz-Karten, auch von Discountern.
  • Providerlock: Nur Karten genau eines Anbieters funktionieren, nicht aber die von Discountern im selben Netz.
  • SIM-Lock im engeren Sinn: Das Handy ist an eine einzige Karte gebunden. Diese Form ist in Deutschland praktisch verschwunden.

So erkennst du einen Simlock

Am iPhone

Öffne Einstellungen > Allgemein > Info und scrolle zum Eintrag „Netzbetreibersperre“. Steht dort „Keine SIM-Beschränkungen“, ist dein iPhone frei. Jede andere Angabe deutet auf eine Sperre hin.

Unter Android

Einen einheitlichen Menüpunkt gibt es nicht. Am zuverlässigsten ist der Test mit einer fremden Karte: Leih dir eine SIM aus einem anderen Netz, etwa von Freunden, und leg sie ein. Fragt das Handy nach einer „SIM-Netz-Entsperr-PIN“ oder meldet „SIM-Karte ungültig“, ist ein Simlock aktiv. Erscheint oben der Netzname und du kannst telefonieren, ist das Gerät frei.

Alternativ fragst du beim Anbieter nach. Halte dafür die IMEI bereit – die 15-stellige Seriennummer des Handys. Du findest sie, wenn du in der Telefon-App *#06# eingibst, oder in den Einstellungen unter „Über das Telefon“ bzw. „Info“.

Wo es heute noch Simlocks gibt

Smartphones, die du zu einem Laufzeitvertrag bei Telekom, Vodafone, O2 oder 1&1 bekommst, sind in Deutschland heute in aller Regel ohne Simlock. Auch Geräte aus dem freien Handel – bei Elektronikmärkten, Amazon oder direkt beim Hersteller – sind frei.

Gesperrt sind vor allem subventionierte Prepaid-Pakete, bei denen Handy und Prepaid-Karte zusammen verkauft werden. Vodafone und O2 binden solche Geräte typischerweise für 24 Monate an ihr Netz. Die Telekom verzichtet nach eigenen Angaben inzwischen auch bei Prepaid-Geräten auf Simlocks.

Vorsicht bei Import-Handys, vor allem iPhones aus den USA: Dort sind Geräte von AT&T, Verizon oder T-Mobile US häufig an den Netzbetreiber gebunden. Auf Gebrauchtplattformen tauchen solche Geräte immer wieder auf – frag vor dem Kauf nach und lass dir die Netzbetreibersperre-Anzeige zeigen.

So wirst du den Simlock los

Kostenlos nach 24 Monaten

Nach Ablauf der Sperrfrist entsperren alle großen Anbieter das Gerät kostenlos. Bei Vodafone und O2 beantragst du die Freischaltung online oder über die Hotline, die Telekom bietet dafür ein Online-Portal an.

Vorzeitig gegen Gebühr

Willst du das Handy früher freischalten, verlangen die Anbieter meist rund 100 Euro. Das rechnet sich, wenn du das Gerät verkaufen oder dauerhaft mit einem anderen Anbieter nutzen willst.

Schritt für Schritt

  1. Notiere die IMEI deines Handys (*#06#).
  2. Halte Kaufbeleg, Rufnummer und Kundennummer bereit.
  3. Stelle den Antrag beim Anbieter, der dir das Handy verkauft hat – online, in der App oder über die Hotline.
  4. Beim iPhone schaltet der Anbieter die Sperre direkt bei Apple frei. Leg danach eine fremde SIM ein, das iPhone aktiviert sich neu.
  5. Bei Android-Geräten bekommst du oft einen Entsperrcode. Leg die fremde SIM ein und gib den Code ein, wenn das Handy nach der „SIM-Netz-Entsperr-PIN“ fragt. Achtung: Nach mehreren Fehleingaben kann das Gerät endgültig gesperrt sein.

Ist es erlaubt, den Simlock selbst zu knacken?

Im Internet bieten Dienste an, Simlocks gegen Gebühr per Code oder Software zu entfernen. Rechtlich ist das eine Grauzone: Solange die Sperrfrist läuft, verstößt das Entsperren gegen die Bedingungen, zu denen du das günstige Gerät gekauft hast. Gerichte haben das gewerbliche Entsperren subventionierter Handys in der Vergangenheit teils sogar strafrechtlich verfolgt. Dazu kommt ein praktisches Risiko: Unseriöse Anbieter kassieren ab, ohne zu liefern, und Eingriffe in die Software können die Garantie kosten. Der sichere Weg führt über den Anbieter, der das Handy verkauft hat.

Simlock und Dual-SIM

Hat dein Handy zwei SIM-Plätze oder eine eSIM, gilt die Sperre in der Regel für beide. Die zweite Nummer eines anderen Anbieters funktioniert dann erst nach der Entsperrung. Mehr zum Betrieb mit zwei Nummern findest du im Artikel über Dual-SIM-Handys.

Warum Simlocks seltener geworden sind

Bis in die 2010er-Jahre war das Handy zum Vertrag fast immer gesperrt. Das änderte sich aus mehreren Gründen:

  • Gerät und Tarif werden getrennt abgerechnet: Viele Verträge weisen heute einen eigenen Gerätepreis oder eine monatliche Rate aus. Das Handy gehört dir nach Zahlung, eine Sperre ist nicht mehr nötig.
  • SIM-only-Tarife: Ein großer Teil der Kunden kauft das Smartphone separat und nimmt nur noch einen Tarif ohne Handy.
  • Wettbewerb: Discounter und Online-Händler verkaufen freie Geräte günstig. Ein gesperrtes Handy ist für Kunden ein Nachteil.
  • eSIM: Weil sich eine eSIM in Minuten herunterladen lässt, wechseln Nutzer häufiger den Tarif oder nutzen Reise-eSIMs. Ein gesperrtes Gerät verhindert genau das.

In anderen Ländern sieht das anders aus. In den USA sind vergleichsweise viele Smartphones an Netzbetreiber gebunden, oft mit Ratenzahlung über den Netzbetreiber. In Kanada dagegen dürfen Netzbetreiber seit Ende 2017 keine gesperrten Handys mehr verkaufen und müssen alte Sperren kostenlos aufheben. Eine EU-weite Pflicht, Handys ohne Simlock zu verkaufen, gibt es nicht.

Tipps vor dem Kauf

  • Vergleiche den Preis des Prepaid-Pakets mit dem Preis des freien Geräts. Oft ist der Unterschied kleiner als die Entsperrgebühr.
  • Kaufst du gebraucht, lass dir vor der Bezahlung zeigen, dass das Gerät eine fremde SIM akzeptiert.
  • Planst du Reisen ins Ausland mit lokalen SIM-Karten, kaufe von Anfang an ein freies Gerät.

Häufige Fragen

Haben Vertragshandys noch einen Simlock?

In Deutschland in aller Regel nicht. Betroffen sind vor allem günstige Prepaid-Pakete mit Handy.

Was kostet das Entsperren?

Nach 24 Monaten nichts. Vorher verlangen die Anbieter meist um die 100 Euro.

Gehen beim Entsperren Daten verloren?

Beim offiziellen Entsperren über den Anbieter nicht. Ein Backup vorher schadet trotzdem nicht, besonders beim iPhone, wo nach der Freischaltung eine neue Aktivierung nötig sein kann.

Bleibt der Simlock nach einem Zurücksetzen auf Werkseinstellungen?

Ja. Die Sperre ist mit der IMEI des Geräts verknüpft und überdauert jedes Zurücksetzen und jedes Software-Update. Nur der Anbieter kann sie aufheben.

Funktioniert eine eSIM trotz Simlock?

Nur, wenn sie vom selben Anbieter stammt. Eine eSIM eines anderen Netzes lässt sich auf einem gesperrten Gerät nicht aktivieren.

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