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Handy-Akku schonen: Diese Ladegewohnheiten bringen wirklich etwas

Der Akku ist das Bauteil, das in jedem Smartphone zuerst altert. Nach zwei bis drei Jahren hält das Handy spürbar kürzer durch, schaltet sich bei Kälte plötzlich ab oder wird beim Laden …

Der Akku ist das Bauteil, das in jedem Smartphone zuerst altert. Nach zwei bis drei Jahren hält das Handy spürbar kürzer durch, schaltet sich bei Kälte plötzlich ab oder wird beim Laden warm. Ganz aufhalten lässt sich das nicht, denn jeder Lithium-Ionen-Akku verliert mit jeder Ladung ein wenig Kapazität. Mit den richtigen Gewohnheiten verschiebst du diesen Punkt aber deutlich nach hinten.

Hier liest du, was dem Akku wirklich schadet, welche Einstellungen iPhone und Android dafür mitbringen und welche alten Ratschläge du getrost vergessen kannst. Wie ein Handy-Akku technisch aufgebaut ist, erklären wir in unserem Grundlagenartikel Das Handy-Akku.

Was einem Lithium-Ionen-Akku schadet

Drei Faktoren beschleunigen die Alterung am stärksten:

  • Hitze: Temperaturen über etwa 35 Grad setzen den Zellen dauerhaft zu. Kritisch sind das Handy auf dem Armaturenbrett im Sommer, Laden unter dem Kopfkissen und aufwendige Spiele während des Ladens.
  • Dauerhaft volle Ladung: Bei 100 Prozent steht der Akku unter hoher Spannung. Liegt das Handy jede Nacht stundenlang voll am Kabel, altert er schneller.
  • Tiefentladung: Lässt du das Handy regelmäßig auf 0 Prozent fallen oder lagerst es leer über Wochen, leidet die Chemie ebenfalls.

Die Zahl der Ladezyklen spielt natürlich auch eine Rolle. Ein Zyklus entspricht einer vollen Ladung von 0 auf 100 Prozent, zwei halbe Ladungen ergeben einen Zyklus. Seit Juni 2025 schreibt die EU-Ökodesign-Verordnung vor, dass neue Smartphones nach 800 Ladezyklen noch mindestens 80 Prozent ihrer ursprünglichen Kapazität haben müssen.

Die wichtigste Regel: zwischen 20 und 80 Prozent

Am wohlsten fühlt sich ein Lithium-Ionen-Akku im mittleren Ladebereich. Wenn du ihn meist zwischen etwa 20 und 80 Prozent hältst, verlängerst du seine Lebensdauer spürbar. Das heißt nicht, dass du nie voll laden darfst. Vor einem langen Reisetag ist 100 Prozent völlig in Ordnung. Entscheidend ist, was du jeden Tag machst.

Zwischendurch nachladen ist ausdrücklich erlaubt. Der alte Rat, den Akku immer erst ganz leer zu machen, stammt aus der Zeit der Nickel-Akkus mit Memory-Effekt. Für heutige Handys ist er schädlich.

Ladegrenze einstellen: So geht es auf deinem Handy

Damit du nicht selbst auf die Prozentanzeige achten musst, haben die Hersteller Schutzfunktionen eingebaut.

iPhone

  1. Öffne Einstellungen > Batterie > Laden (bei älteren iOS-Versionen „Batteriezustand & Ladevorgang“).
  2. Ab iPhone 15 wählst du dort eine Ladegrenze von 80, 85, 90, 95 oder 100 Prozent.
  3. Bei älteren Modellen aktivierst du Optimiertes Laden. Das iPhone lernt deinen Tagesrhythmus und lädt über Nacht erst kurz vor dem Aufstehen von 80 auf 100 Prozent.

Samsung Galaxy

  1. Öffne Einstellungen > Akku > Akkuschutz.
  2. Wähle zwischen „Basis“, „Adaptiv“ und „Maximum“. Im Modus „Maximum“ stoppt das Laden bei 85 Prozent, in neueren One-UI-Versionen lässt sich die Grenze feiner einstellen.

Google Pixel

  1. Öffne Einstellungen > Akku > Ladeoptimierung.
  2. Wähle Auf 80 % begrenzen oder das adaptive Laden, das den Ladevorgang an deinen Wecker anpasst.

Bei anderen Android-Herstellern heißen die Funktionen zum Beispiel „Optimiertes Aufladen“, „Intelligentes Laden“ oder „Akkuschutz“. Du findest sie meist im Menü „Akku“. Fehlt die Funktion, lohnt ein Blick nach dem nächsten System-Update, denn viele Hersteller haben sie erst später nachgereicht.

Richtig laden im Alltag

Schnellladen

Schnellladen ist nicht grundsätzlich schädlich. Die Handys regeln die Leistung selbst und laden die letzten Prozent langsamer. Problematisch wird es, wenn Hitze dazukommt. Liegt das Handy beim Schnellladen in einer dicken Hülle in der Sonne, nimm es heraus oder nutze ein schwächeres Netzteil.

Kabelloses Laden

Induktives Laden erzeugt mehr Wärme als ein Kabel, besonders wenn die Spulen nicht genau übereinanderliegen. Setz das Handy mittig auf das Ladepad und entferne dicke Hüllen oder Kartenhüllen. Für die Nacht ist ein Kabel oft die schonendere Wahl.

Ladegeräte und Kabel

Seit Ende 2024 gilt in der EU USB-C als einheitlicher Ladeanschluss. Nutze zertifizierte Netzteile nach USB Power Delivery. Billige No-Name-Ladegeräte regeln Spannung und Temperatur oft schlechter. Unterwegs hilft ein USB-Akkupack, damit du das Handy nicht bis auf 0 Prozent leer laufen lassen musst.

Einstellungen, die Akku und Laufzeit gleichzeitig schonen

Jede Ladung, die du dir sparst, ist ein Stück weniger Verschleiß. Diese Einstellungen bringen am meisten:

  • Displayhelligkeit auf automatisch: Das Display ist der größte Stromverbraucher.
  • Dunkelmodus: Bei OLED-Displays sparen schwarze Flächen tatsächlich Energie.
  • Bildwiederholrate: 120 Hz sehen flüssig aus, kosten aber Strom. Adaptive Einstellungen senken die Rate bei ruhigen Inhalten.
  • Hintergrundaktivität begrenzen: Unter iOS „Hintergrundaktualisierung“, unter Android „Akkunutzung der App“ auf „Optimiert“ oder „Eingeschränkt“.
  • Standortzugriff prüfen: Apps, die dauerhaft GPS nutzen, belasten den Akku stark. Gib den Standort nur „beim Verwenden der App“ frei.
  • 5G bei schwachem Empfang: Springt das Handy ständig zwischen den Netzen, kann „5G Auto“ oder LTE helfen.

Kälte und Lagerung

Kälte schadet dem Akku weniger als Hitze, sorgt aber für plötzliche Abschaltungen. Bei Minusgraden sinkt die verfügbare Spannung, das Handy zeigt dann vielleicht noch 30 Prozent an und geht trotzdem aus. Trag es im Winter in der Innentasche und lade es erst, wenn es wieder Zimmertemperatur hat.

Willst du ein Handy länger weglegen, etwa als Ersatzgerät, lade es auf etwa 50 Prozent, schalte es aus und lagere es kühl. Schau alle paar Monate nach und lade bei Bedarf nach.

Akkuzustand prüfen

  • iPhone: Unter Einstellungen > Batterie > Batteriezustand siehst du die maximale Kapazität. Ab iPhone 15 wird dort auch die Zahl der Ladezyklen angezeigt.
  • Samsung: In der App Samsung Members unter „Diagnose“ und „Akkustatus“.
  • Pixel: Bei neueren Modellen unter Einstellungen > Akku > Akkuzustand.

Liegt die Kapazität unter 80 Prozent oder schaltet sich das Handy unerwartet ab, lohnt ein Akkutausch. Bei Herstellern und guten Reparaturwerkstätten ist das meist deutlich günstiger als ein neues Gerät. Das gilt besonders, weil Hersteller Ersatzteile nach EU-Recht inzwischen sieben Jahre lang bereithalten müssen. Einen aufgeblähten Akku erkennst du daran, dass sich Rückseite oder Display wölben. Dann nicht mehr laden und sofort in die Werkstatt bringen.

Akku-Mythen im Faktencheck

„Apps im Hintergrund wegwischen spart Akku“

Falsch. iOS und Android frieren Apps im Hintergrund ein. Schließt du sie ständig, muss das System sie beim nächsten Öffnen komplett neu laden, und das kostet mehr Energie. Beende eine App nur, wenn sie hängt oder in der Akkuübersicht auffällig viel verbraucht.

„Akku-Booster und Task-Killer helfen“

Nein. Solche Apps greifen in eine Verwaltung ein, die das System selbst besser erledigt. Viele zeigen vor allem Werbung und laufen selbst dauerhaft im Hintergrund.

„Handy im Kühlschrank lagern schont den Akku“

Schlechte Idee. Beim Herausnehmen bildet sich Kondenswasser im Gehäuse, und das schadet der Elektronik mehr, als die Kühle dem Akku nützt.

„Nur das Original-Ladegerät ist sicher“

Nicht nötig. Ein zertifiziertes USB-C-Netzteil mit Power Delivery von einem Markenhersteller lädt genauso sicher. Das Handy bestimmt selbst, wie viel Leistung es abnimmt.

„Nachts muss der Flugmodus an“

Bringt wenig. Nur bei sehr schlechtem Empfang, wenn das Handy ständig nach Netz sucht, spart der Flugmodus spürbar Strom.

„Jede Ladung auf 100 Prozent schadet“

Nicht sofort. Schädlich ist ein dauerhaft voller Akku, vor allem in Verbindung mit Wärme. Gelegentlich voll laden ist kein Problem.

Häufige Fragen

Darf ich mein Handy über Nacht laden?

Ja, wenn du eine Ladegrenze oder das optimierte Laden eingeschaltet hast und das Handy nicht unter einer Decke liegt. Die Ladeelektronik schützt vor Überladung.

Muss ich einen neuen Akku erst „einlaufen“ lassen?

Nein. Mehrfaches vollständiges Entladen und Laden bringt bei Lithium-Ionen-Akkus nichts und schadet eher.

Wie lange hält ein Handy-Akku?

Bei normaler Nutzung zwei bis vier Jahre, bis die Kapazität unter 80 Prozent fällt. Wer Hitze vermeidet und die Ladegrenze nutzt, kommt eher ans obere Ende.

Schadet Schnellladen dem Akku?

Kaum, solange das Handy dabei nicht heiß wird. Hitze ist der eigentliche Feind, nicht die Ladeleistung.