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Handy wasserdicht? IP67 und IP68 einfach erklärt

Fast jedes Smartphone der Mittel- und Oberklasse wirbt heute mit „IP68“. Viele verstehen das als „wasserdicht“ und nehmen das Handy mit in den Pool. Genau das kann teuer werden.

Fast jedes Smartphone der Mittel- und Oberklasse wirbt heute mit „IP68“. Viele verstehen das als „wasserdicht“ und nehmen das Handy mit in den Pool. Genau das kann teuer werden. Denn die IP-Schutzart beschreibt Laborbedingungen, keine Garantie für den Alltag.

Hier erfährst du, was die Ziffern bedeuten, wo der Unterschied zwischen IP67 und IP68 liegt und was du tun solltest, wenn das Handy doch einmal nass geworden ist.

Was der IP-Code bedeutet

IP steht für „International Protection“ oder „Ingress Protection“. Die Schutzarten sind in der internationalen Norm IEC 60529 festgelegt, in Deutschland als DIN EN 60529. Der Code besteht aus zwei Ziffern:

  • Erste Ziffer (0 bis 6): Schutz gegen Fremdkörper und Staub.
  • Zweite Ziffer (0 bis 9): Schutz gegen Wasser.

Steht an einer Stelle ein X, wie bei IPX8, wurde diese Eigenschaft nicht geprüft. Das heißt nicht zwingend, dass das Gerät keinen Staubschutz hat, sondern nur, dass der Hersteller ihn nicht zertifiziert hat.

Die erste Ziffer: Schutz gegen Staub

Bei Smartphones findest du fast nur die Stufen 5 und 6:

  • 5 – staubgeschützt: Staub kann in geringer Menge eindringen, aber nicht so viel, dass die Funktion leidet.
  • 6 – staubdicht: Kein Staub dringt ein, auch nicht bei Unterdruck im Prüfraum.

Für Sand am Strand und Staub auf der Baustelle ist die 6 die richtige Wahl. Sand in Lautsprecheröffnungen kann trotzdem hängen bleiben, weil diese Öffnungen offen sind und nur innen abgedichtet werden.

Die zweite Ziffer: Schutz gegen Wasser

Ziffer Bedeutung Prüfung
4 Schutz gegen Spritzwasser Wasser aus allen Richtungen
5 Schutz gegen Strahlwasser Wasserstrahl aus einer Düse
7 zeitweiliges Untertauchen bis 1 Meter Tiefe, 30 Minuten
8 dauerhaftes Untertauchen Bedingungen legt der Hersteller fest, strenger als bei 7
9 Hochdruck und Hitze heißes Wasser mit hohem Druck aus kurzer Distanz

Die Stufen bauen nicht automatisch aufeinander auf. Ein Handy mit IP68 hat einen Tauchtest bestanden, aber nicht unbedingt einen Test mit starkem Wasserstrahl. Deshalb tragen robuste Geräte oft mehrere Angaben, etwa „IP68 und IP69“.

IP67 und IP68 im Vergleich

Beide Stufen sind staubdicht. Der Unterschied liegt beim Wasser:

  • IP67 garantiert, dass das Gerät 30 Minuten in einem Meter Tiefe übersteht.
  • IP68 bedeutet mehr als das, doch wie viel mehr, legt der Hersteller fest. Apple gibt für aktuelle iPhones bis zu sechs Meter für 30 Minuten an, Samsung für die Galaxy-S-Reihe 1,5 Meter für 30 Minuten.

Schau deshalb bei IP68 immer ins Datenblatt. Zwei Handys mit derselben Schutzart können sehr unterschiedlich viel aushalten.

Warum IP68 nicht „wasserfest im Alltag“ heißt

Die Prüfung findet im Labor statt: mit ruhigem Süßwasser, bei Raumtemperatur und mit einem neuen Gerät. Im echten Leben sieht es anders aus:

  • Salzwasser und Chlor greifen Dichtungen und Kleber an. Nach einem Bad im Meer oder Pool solltest du das Handy mit klarem Leitungswasser abspülen.
  • Bewegung erhöht den Druck. Beim Springen ins Wasser oder beim Schwimmen wirken Kräfte, die im Labor nicht vorkommen.
  • Heißes Wasser und Dampf in der Sauna oder unter der Dusche lassen die Dichtungen arbeiten und können Feuchtigkeit ins Gehäuse ziehen.
  • Seife, Shampoo und Sonnencreme senken die Oberflächenspannung, sodass Wasser leichter durch kleine Öffnungen kriecht.
  • Alterung und Stürze: Kleber und Dichtungen werden mit den Jahren spröde. Ein Sturz oder ein Displaytausch kann die Abdichtung dauerhaft schwächen.

Hinzu kommt: Fast alle Hersteller schließen Flüssigkeitsschäden von der Garantie aus, obwohl sie mit IP68 werben. Moderne Handys haben Feuchtigkeitsindikatoren im Inneren, die eine Werkstatt sofort erkennt.

Was du tun solltest, wenn dein Handy nass geworden ist

  1. Sofort herausnehmen und abtrocknen. Wisch das Gehäuse mit einem fusselfreien Tuch ab.
  2. Nicht laden. Steckt Feuchtigkeit im USB-C-Anschluss, kann es beim Laden zu Korrosion und Kurzschlüssen kommen. iPhones und viele Android-Geräte zeigen eine Warnung, wenn sie Flüssigkeit im Anschluss erkennen.
  3. Anschluss nach unten halten und leicht gegen die Handfläche klopfen, damit Wasser herausläuft.
  4. An der Luft trocknen lassen, am besten an einem trockenen Ort mit etwas Luftzug. Erst nach etwa 30 Minuten, bei viel Wasser nach einigen Stunden wieder laden.
  5. Kein Föhn, kein Backofen, kein Reis. Hitze schadet Akku und Dichtungen. Reis bindet kaum Feuchtigkeit aus dem Inneren, hinterlässt aber Stärke und Staub in den Öffnungen. Apple rät ausdrücklich davon ab.
  6. Lautsprecher freipusten lassen: Einige Handys haben eine Funktion, die Wasser mit Tönen aus dem Lautsprecher treibt.

Hat ein Gerät ohne Schutzart ein Vollbad genommen, schalte es sofort aus und bring es in eine Werkstatt. Je früher die Platine gereinigt wird, desto größer ist die Chance auf Rettung.

Welche Schutzart brauchst du?

Die Schutzart findest du im technischen Datenblatt auf der Herstellerseite, meist unter „Abmessungen und Gewicht“ oder „Robustheit“. Gerade bei günstigen Modellen lohnt der Blick: Viele Einsteigergeräte tragen nur IP52, IP54 oder IP64. Sie überstehen Regentropfen und Spritzer, aber kein Untertauchen. Fehlt eine Angabe ganz, solltest du davon ausgehen, dass das Handy gar nicht gegen Wasser geprüft wurde.

Für den Alltag mit Regen, verschüttetem Kaffee und einem Sturz ins Waschbecken reicht IP67 vollkommen aus. IP68 gibt dir etwas mehr Reserve, zum Beispiel bei einem Handy, das in den See fällt. Arbeitest du auf dem Bau, in der Landwirtschaft oder bist du viel in der Natur unterwegs, lohnt ein Outdoor-Handy mit IP68, IP69 und Sturzschutz nach Militärstandard MIL-STD-810H. Solche Geräte haben oft auch ein besonders helles Display, das im Sonnenlicht und mit nassen Fingern bedienbar bleibt.

Für Unterwasserfotos taugen Smartphones nur bedingt. Der Touchscreen reagiert unter Wasser nicht zuverlässig, und die Dichtungen sind nicht für den Druck beim Tauchen gemacht. Besser ist ein wasserdichtes Case mit Tasten, das für die gewünschte Tiefe zugelassen ist.

Schutzarten bei Zubehör: Kopfhörer, Smartwatch und Hülle

Kabellose Kopfhörer

Viele In-Ear-Kopfhörer tragen IPX4. Das heißt: geschützt gegen Spritzwasser aus allen Richtungen, also gegen Regen und Schweiß beim Sport. Untertauchen dürfen sie nicht. Die Angabe gilt außerdem meist nur für die Ohrhörer. Das Ladecase ist in der Regel ungeschützt, und die Kontakte korrodieren, wenn du feuchte Ohrhörer hineinlegst.

Smartwatches und Fitness-Tracker

Bei Uhren findest du statt oder zusätzlich zur IP-Schutzart oft eine Angabe in ATM. 5 ATM bedeutet, dass die Uhr im Test einem Druck standhält, der 50 Metern Wassertiefe entspricht. In der Praxis heißt das: Schwimmen im Pool und im See ist in Ordnung, Tauchen, Wasserspringen und Wasserski nicht, weil dabei Druckspitzen entstehen. Manche Modelle sind zusätzlich nach ISO 22810 geprüft. Für echte Tauchgänge gibt es eigene Normen wie EN 13319.

Hüllen und Displayschutz

Hüllen schützen vor Stürzen und Kratzern, nicht vor Wasser. Ist das Handy nass geworden, nimm die Hülle ab. Sonst bleibt Feuchtigkeit zwischen Hülle und Gehäuse eingeschlossen und kann über Tasten und Öffnungen eindringen.

Wasserdichte Beutel und Unterwassergehäuse

Achte auf die angegebene Tiefe und Einsatzdauer. Teste Beutel und Gehäuse vor dem ersten Einsatz mit einem Stück Küchenpapier statt mit dem Handy: eine halbe Stunde unter Wasser drücken, dann prüfen, ob das Papier trocken geblieben ist.

Häufige Fragen

Ist ein Handy mit IP68 wasserdicht?

Es ist unter Laborbedingungen gegen Untertauchen geschützt. „Wasserdicht“ im Sinne von dauerhaft und unter allen Bedingungen ist es nicht.

Darf ich mit einem IP68-Handy duschen?

Besser nicht. Heißes Wasser, Dampf und Seife sind genau die Bedingungen, gegen die der Test nicht prüft.

Verliert ein Handy mit der Zeit seinen Wasserschutz?

Ja. Dichtungen altern, und nach Stürzen oder Reparaturen kann die Abdichtung schlechter sein. Nach einem Displaytausch bei einer freien Werkstatt ist die Schutzart oft nicht mehr garantiert.

Zahlt die Garantie bei Wasserschaden?

Meist nicht. Hersteller schließen Flüssigkeitsschäden in der Regel aus. Eine Handyversicherung kann den Schaden abdecken, lies dazu die Bedingungen.