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Sharp Handys

Sharp hat die Handywelt stärker geprägt, als der Name in Deutschland vermuten lässt. Der japanische Konzern brachte im Jahr 2000 das erste Serienhandy mit eingebauter Kamera auf den Mar …

Abbildung eines Sharp Handy

Sharp hat die Handywelt stärker geprägt, als der Name in Deutschland vermuten lässt. Der japanische Konzern brachte im Jahr 2000 das erste Serienhandy mit eingebauter Kamera auf den Markt und gehört bis heute zu den wichtigsten Displayherstellern der Welt. In Europa blieb Sharp trotzdem eine Randerscheinung. Hier steht, was Sharp-Handys ausmacht, welche Modelle wichtig waren, wie es um die Marke heute steht und worauf du achten musst, wenn du ein Sharp-Smartphone nach Deutschland holen willst.

Vom Druckbleistift zum Elektronikkonzern

Sharp wurde 1912 von Tokuji Hayakawa in Tokio gegründet, der Firmensitz liegt heute in Sakai bei Osaka. Den Namen verdankt das Unternehmen einem frühen Erfolgsprodukt: dem Druckbleistift „Ever-Sharp“, den Hayakawa 1915 entwickelte. Später baute Sharp Radios, Fernseher und Taschenrechner und wurde vor allem mit Flüssigkristallanzeigen (LCD) groß. Sharp lieferte Displays für Fernseher, Notebooks und Smartphones anderer Hersteller, darunter Apple.

Pionier des Kamerahandys

J-SH04: das erste Serienhandy mit Kamera

Im November 2000 brachte Sharp in Japan das J-SH04 für den Netzbetreiber J-Phone heraus. Die Kamera auf der Rückseite hatte nur 0,11 Megapixel, doch Fotos ließen sich direkt über den Dienst „Sha-mail“ an andere Handys schicken. Das Gerät gilt als erstes in Serie verkauftes Kamerahandy. Ein Jahr zuvor hatte Kyocera zwar schon ein Handy mit Kamera für Videotelefonie gezeigt, doch erst das J-SH04 machte das Knipsen und Verschicken von Fotos massentauglich.

Der Erfolg war so groß, dass innerhalb weniger Jahre fast jedes neue Handy in Japan eine Kamera bekam. Europa zog mit etwas Verzögerung nach.

Sharp in Europa

GX-Serie mit Vodafone live!

Nach Europa kam Sharp 2002 mit dem GX10. Das Klapphandy startete zusammen mit dem Multimediaportal Vodafone live! und bot ein Farbdisplay mit 65.536 Farben sowie eine eingebaute Kamera – für europäische Verhältnisse damals Oberklasse. Es folgten Modelle wie GX20, GX25, GX30 und GX40, die fast ausschließlich über Vodafone verkauft wurden. Diese enge Bindung an einen Netzbetreiber sorgte für Sichtbarkeit, verhinderte aber einen breiten Markterfolg.

Rückzug und Neustart 2018

Ende der 2000er-Jahre zog sich Sharp aus Europa zurück. 2018 folgte ein zweiter Anlauf mit den Android-Smartphones Aquos B10, Aquos C10 und Aquos D10, zuerst in Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Benelux-Ländern. Die Geräte hatten fast randlose Displays, blieben aber Nischenprodukte. Nachfolger für den europäischen Markt kamen nicht.

Warum Sharp in Europa nie groß wurde

Der japanische Handymarkt funktionierte lange nach eigenen Regeln. Netzbetreiber wie NTT Docomo, KDDI und SoftBank bestimmten Funktionen und Design, Hersteller bauten Geräte mit mobilem Fernsehen, Bezahlfunktion per Chip und E-Mail-Diensten, die es nur in Japan gab. Diese Modelle ließen sich nicht einfach in Europa verkaufen. Für eigene Europa-Versionen fehlte Sharp die Stückzahl, und gegen Nokia, Samsung und Sony Ericsson, die im Handel und bei den Netzbetreibern fest verankert waren, kam die Marke nicht an. Mit dem Wechsel zu Android änderte sich daran wenig: Samsung und später chinesische Hersteller besetzten die Regale, bevor Sharp einen zweiten Anlauf nahm.

Displays als Kerngeschäft

Was Sharp von anderen Handymarken unterscheidet, ist die eigene Displaytechnik. Drei Beispiele zeigen, wie der Konzern sie in Smartphones einsetzt:

  • Aquos Phone SH-12C (2011): 3D-Display ohne Brille und eine Doppelkamera für 3D-Fotos und -Videos. Das Gerät wurde nur in Japan verkauft.
  • IGZO-Displays: Die von Sharp zur Serienreife gebrachte Technik (Indium-Gallium-Zink-Oxid) braucht weniger Strom als herkömmliche Displays, weil sich stehende Bilder mit sehr niedriger Bildwiederholrate anzeigen lassen. Das verlängert die Akkulaufzeit.
  • Aquos Crystal (2014): Ein Smartphone mit Display fast ohne seitliche und obere Ränder – Jahre, bevor randlose Bildschirme zum Standard wurden. Die Hörmuschel ersetzte Sharp durch eine Technik, die den Schall über das Displayglas überträgt.

Mit dem Aquos R6 setzte Sharp 2021 als einer der ersten Hersteller einen 1-Zoll-Kamerasensor in ein Smartphone und arbeitete dafür mit Leica zusammen. Die Kooperation läuft bis heute.

Sharp heute

Foxconn als Eigentümer

Nach Jahren mit hohen Verlusten stieg 2013 zunächst Samsung mit einer kleinen Beteiligung bei Sharp ein. 2016 übernahm dann der taiwanische Auftragsfertiger Foxconn (Hon Hai), der unter anderem iPhones für Apple montiert, rund zwei Drittel der Aktien. Es war die erste Übernahme eines großen japanischen Elektronikkonzerns durch ein ausländisches Unternehmen. Unter Foxconn kaufte Sharp 2018 außerdem die frühere PC-Sparte von Toshiba, die heute unter dem Namen Dynabook Notebooks baut.

Aktuelle Modellreihen

  • Aquos R: Die Oberklasse. Das Aquos R10 kam 2025 mit einem 6,5 Zoll großen OLED-Display mit bis zu 240 Hz, Kameras mit Leica-Abstimmung, Snapdragon 7+ Gen 3 und Schutz nach IP68.
  • Aquos sense: Die Mittelklasse, in Japan seit Jahren ein Bestseller. Das Aquos sense10 setzt auf ein kompaktes 6,1-Zoll-OLED-Display.
  • Aquos wish: Günstige, robuste Einsteigermodelle.

In Japan zählt Sharp neben Apple, Google und Samsung zu den großen Anbietern, auch wenn der Marktanteil zuletzt gesunken ist. Neben Japan verkauft Sharp seine Smartphones vor allem in Taiwan, Singapur und Indonesien. Einen offiziellen Vertrieb in Deutschland gibt es derzeit nicht.

Sharp-Smartphone in Deutschland: darauf musst du achten

Wer ein aktuelles Sharp-Modell möchte, kauft es als Import über Onlinehändler oder Marktplätze. Das kann funktionieren, hat aber Tücken:

  1. Frequenzen prüfen: Japanische Modelle unterstützen nicht immer alle LTE- und 5G-Bänder, die Telekom, Vodafone, O2 und 1&1 nutzen. Wichtig sind vor allem LTE Band 20 (800 MHz) für die Versorgung auf dem Land sowie 5G n78. Vergleiche die Bandliste im Datenblatt mit den Frequenzen deines Anbieters.
  2. Garantie klären: Die Herstellergarantie gilt oft nur im Verkaufsland. Frag den Händler, wer in der EU für Reparaturen zuständig ist und wohin du das Gerät im Garantiefall schicken musst.
  3. Software prüfen: Manche Importgeräte haben japanische Netzbetreiber-Apps vorinstalliert, eine eingeschränkte Sprachauswahl oder ein festes Kamera-Auslösegeräusch, das sich nicht abschalten lässt.
  4. Updates im Blick behalten: Sharp sagt für seine Oberklasse mehrere Android-Versionen zu. Bei Netzbetreiber-Varianten kommen Updates aber manchmal später oder gar nicht.
  5. Gesamtkosten rechnen: Zum Gerätepreis kommen bei Käufen außerhalb der EU Einfuhrumsatzsteuer und eventuell Zoll- und Versandgebühren.

Sharp-Handys, die in Deutschland verkauft wurden

  • Sharp GX10, GX10i, GX15, GX20, GX25, GX30
  • Sharp TM100 und TM200
  • Sharp V902 und V903
  • Sharp 770SH (Sondermodell McLaren Mercedes)
  • Sharp Aquos B10, Aquos C10, Aquos D10

Eine Einordnung der übrigen Marken findest du in der Übersicht der Handyhersteller.

Häufige Fragen

Gibt es Sharp-Handys in Deutschland zu kaufen?

Nicht über offizielle Kanäle. Aktuelle Modelle wie Aquos R10 oder Aquos sense10 bekommst du nur als Import. Die letzten offiziell in Deutschland verkauften Sharp-Smartphones waren Aquos B10, C10 und D10 aus dem Jahr 2018.

Welches war das erste Handy mit Kamera?

Als erstes Serienhandy mit eingebauter Kamera gilt das Sharp J-SH04 aus dem November 2000. Die Kamera hatte 0,11 Megapixel.

Wem gehört Sharp?

Mehrheitseigner ist seit 2016 der taiwanische Elektronikfertiger Foxconn (Hon Hai Precision Industry), der rund zwei Drittel der Anteile übernommen hat.

Funktioniert ein japanisches Sharp-Handy in deutschen Netzen?

Oft ja, aber nicht immer vollständig. Entscheidend ist, ob das Gerät LTE Band 20 und die 5G-Frequenz n78 unterstützt. Ohne Band 20 hast du vor allem auf dem Land schlechteren Empfang.

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