Hersteller Mobiltelefone – Handyanbieter

Siemens Handys

Siemens war der größte deutsche Handyhersteller. Modelle wie das C35, das S45 oder das SL45 lagen um die Jahrtausendwende in unzähligen Hosentaschen, und in Deutschland war nur Nokia be …

Abbildung eines Siemens Handys

Afrank99 cc by SA

Siemens war der größte deutsche Handyhersteller. Modelle wie das C35, das S45 oder das SL45 lagen um die Jahrtausendwende in unzähligen Hosentaschen, und in Deutschland war nur Nokia beliebter. Zwanzig Jahre nach dem ersten Autotelefon war alles vorbei: 2005 verkaufte Siemens die Handysparte an BenQ aus Taiwan, ein Jahr später war BenQ Mobile pleite. Hier steht die Geschichte der Siemens-Handys von der C-Netz-Kiste bis zum letzten Modell, die Gründe für den Absturz und was von der Marke heute noch übrig ist.

Vom Telegrafenbauer zum Handyhersteller

Werner von Siemens und Johann Georg Halske gründeten 1847 in Berlin die „Telegraphen-Bauanstalt von Siemens & Halske“. Aus der Werkstatt wurde einer der größten Elektrokonzerne der Welt, der Kraftwerke, Züge, Medizintechnik und Telefonanlagen baute. Der Schritt ins Mobilfunkgeschäft lag nahe: Siemens lieferte bereits Vermittlungstechnik für die Telefonnetze der Bundespost.

Die Anfänge: vom Autotelefon zum Handy

Siemens C1 (1985)

Das erste Mobiltelefon von Siemens war das C1 für das analoge C-Netz der Bundespost. Mit über 6 Kilogramm und Maßen von 262 x 347 x 94 Millimetern war es ein Autotelefon, das fest im Kofferraum verbaut wurde. Der Name stand für das erste Gerät fürs C-Netz.

S1 und S3: die ersten GSM-Handys

Mit dem digitalen GSM-Standard kamen die Handys. 1994 brachte Siemens mit dem S1 sein erstes eigenes GSM-Handy auf den Markt. Das S3 von 1995 gehörte zu den ersten Handys, mit denen sich SMS nicht nur empfangen, sondern auch schreiben und versenden ließen. Die Kurznachricht wurde in den folgenden Jahren zu einem der wichtigsten Dienste im Mobilfunk.

Die großen Jahre: 1997 bis 2003

Premieren

  • S10 (1997): Eines der ersten Handys mit Farbdisplay. Es konnte vier Farben darstellen: Rot, Grün, Blau und Weiß.
  • SL10 (1999): Eines der ersten Schiebehandys. Der untere Teil mit der Tastatur ließ sich unter das Display schieben.
  • SL45 (2001): Galt als erstes Handy mit eingebautem MP3-Player und Steckplatz für eine Speicherkarte (MMC). Im Karton lagen eine 32-MB-Karte und ein Stereo-Headset.
  • SX1 (2003): Smartphone mit Symbian, Kamera und UKW-Radio. Die Tasten saßen links und rechts vom Display, was das Gerät zum Hingucker machte.

Die Bestseller

Siemens verdiente sein Geld aber nicht mit Premieren, sondern mit soliden Alltagshandys. Die C-Serie war günstig und robust, das C35 und später das C45 und C60 wurden in Deutschland millionenfach verkauft, oft zu Mobilfunkverträgen für einen Euro. Die S-Serie richtete sich an Geschäftskunden, die ME-Modelle waren wasser- und staubgeschützte Outdoor-Varianten. Das ME45 hatte zum Beispiel denselben Funktionsumfang wie das S45, aber ein robusteres Gehäuse. Das SL42 unterschied sich vom SL45 fast nur durch die Software und ließ sich per Update teilweise aufrüsten.

Im Jahr 2000 übernahm Siemens außerdem die Handysparte von Bosch und bündelte das Geschäft in der eigenständigen Siemens Mobile. Gefertigt wurde unter anderem in Kamp-Lintfort am Niederrhein und in Bocholt.

Übersicht: Siemens-Handys nach Serien

Serie Zielgruppe Bekannte Modelle
A-Serie Einsteiger, Prepaid A55, A60, A65
C-Serie Massenmarkt C25, C35, C45, C60, C65, C72, CX75
M/ME-Serie Outdoor, robust M35, ME45, M65
S-Serie Business S25, S35, S45, S55, S65, S75
SL-Serie Design, Oberklasse SL10, SL42, SL45, SL55, SL65
SX-Serie Smartphone SX1, SXG75

Der Absturz ab 2004

2004 verlor Siemens Mobile deutlich Marktanteile und rutschte in die Verlustzone. Mehrere Gründe kamen zusammen:

  • Trends verpasst: Klapphandys, große Farbdisplays und gute Kameras waren gefragt. Siemens setzte lange auf klassische Barren-Handys und hatte wenig, was mit dem Motorola RAZR V3 oder Samsungs Klapphandys mithalten konnte.
  • Softwarefehler: Bei der 65er-Generation (C65, CX65, M65, S65, SL65) konnte die Abschaltmelodie in extremer Lautstärke abgespielt werden, wenn während eines Gesprächs der Akku leer wurde. Siemens warnte im August 2004 selbst vor möglichen Hörschäden, große Händler und Netzbetreiber nahmen die Geräte vorübergehend aus dem Verkauf, bis ein Software-Update bereitstand.
  • Hohe Kosten: Die Fertigung in Deutschland war teurer als die der asiatischen Konkurrenz, die mit günstigen Geräten nachdrängte.

2005: Verkauf an BenQ

Im Januar 2005 kündigte die Konzernführung noch an, die Handysparte sanieren zu wollen. Am 7. Juni 2005 verkündete Siemens dann den Verkauf an den taiwanischen Elektronikhersteller BenQ. Siemens bekam dafür kein Geld, sondern zahlte BenQ mehrere hundert Millionen Euro dazu, damit der Käufer die Verluste der Sparte übernahm. BenQ durfte die Marke Siemens für eine Übergangszeit nutzen.

Aus Siemens Mobile wurde BenQ Mobile, die Handys hießen nun BenQ-Siemens, etwa das EF81 oder das S68. Das SXG75 war eines der letzten Modelle, das noch unter Siemens entwickelt worden war. Es war ein UMTS-Handy mit eingebautem GPS-Empfänger.

2006: Insolvenz von BenQ Mobile

Im Sommer 2006 stellte der Mutterkonzern BenQ in Taiwan die Zahlungen an die deutsche Tochter ein. Am 28. September 2006 meldete BenQ Mobile Deutschland Insolvenz an. Rund 3.000 Beschäftigte in München, Kamp-Lintfort und Bocholt waren betroffen. Viele wechselten in Transfergesellschaften, ein Investor für das Handygeschäft fand sich nicht. Ende Januar 2007 lief in Kamp-Lintfort das letzte Handy vom Band, danach verschwand die Marke Siemens endgültig aus dem Handyregal.

Was heute daraus geworden ist

Gigaset

Die Schnurlostelefone für das Festnetz (DECT) gehörten nicht zur Handysparte. Siemens führte sie unter dem Namen Gigaset weiter und verkaufte das Geschäft 2008. Gigaset baute ab 2019 in Bocholt auch eigene Smartphones, eines der wenigen Beispiele für Handyfertigung in Deutschland. 2023 musste Gigaset Insolvenz anmelden, 2024 übernahm der Elektronikhersteller VTech aus Hongkong das Geschäft. Die Smartphone-Fertigung wurde eingestellt, die Schnurlostelefone laufen weiter.

Siemens AG

Der Siemens-Konzern ist heute ein Technologieunternehmen für Industrie und Infrastruktur: Automatisierung und Software für Fabriken, Gebäudetechnik, Energieverteilung und Züge von Siemens Mobility. An der Medizintechnikfirma Siemens Healthineers ist Siemens beteiligt. Mit Handys und Unterhaltungselektronik hat der Konzern nichts mehr zu tun.

Alte Siemens-Handys

Ein S35, C45 oder SL45 aus der Schublade funktioniert mit einer Mini-SIM oft noch für Anrufe und SMS. Allerdings funken diese Geräte nur im 2G-Netz, und das wollen Telekom, Vodafone und O2 bis Ende 2028 abschalten. Alte Akkus sind meist verschlissen oder aufgebläht und sollten ersetzt oder im Handel zur Sammelstelle gebracht werden.

Häufige Fragen

Gibt es noch Siemens-Handys?

Nein. Siemens hat die Handysparte 2005 an BenQ abgegeben, nach der Insolvenz von BenQ Mobile 2006 verschwand die Marke. Neue Siemens-Handys gibt es nicht.

Was war das letzte Siemens-Handy?

Als letzte noch unter Siemens entwickelte Modelle gelten das SXG75 und die Geräte der 75er-Generation wie das S75 und das CX75. Danach erschienen nur noch Modelle unter der Marke BenQ-Siemens.

Warum hat Siemens keine Handys mehr gebaut?

Ab 2004 schrieb die Sparte Verluste, weil Siemens Trends wie Klapphandys verpasste, Softwarefehler das Image belasteten und die Kosten zu hoch waren. Siemens verkaufte das Geschäft deshalb 2005 an BenQ.

Ist Gigaset dasselbe wie Siemens?

Gigaset war die Schnurlostelefon-Marke von Siemens und wurde 2008 ausgegliedert und verkauft. Heute gehört Gigaset zu VTech.

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