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YotaPhone 2: das Smartphone mit E-Ink-Rückseite im Rückblick

Ein Smartphone mit zwei Gesichtern: vorne ein farbiges Display wie bei jedem anderen Handy, hinten ein E-Ink-Bildschirm wie bei einem E-Book-Reader.

Ein Smartphone mit zwei Gesichtern: vorne ein farbiges Display wie bei jedem anderen Handy, hinten ein E-Ink-Bildschirm wie bei einem E-Book-Reader. Mit dieser Idee machte der russische Hersteller Yota Devices das YotaPhone und vor allem das YotaPhone 2 bekannt. Der Rückblick erklärt, wie die Geräte funktionierten, was aus Yota wurde und welche E-Ink-Handys es heute gibt.

Das erste YotaPhone: Idee mit Einschränkungen

Yota Devices entstand als Ableger des russischen Mobilfunkanbieters Yota. Das erste YotaPhone kam im Dezember 2013 in Russland und einigen europäischen Ländern auf den Markt. Vorne saß ein 4,3-Zoll-LCD, hinten ein ebenso großes E-Ink-Display mit 640 x 360 Pixeln.

Die Rückseite ließ sich nur eingeschränkt bedienen: Eine schmale Touchleiste unterhalb des E-Ink-Displays diente zum Blättern und Wechseln der Ansicht, der Bildschirm selbst reagierte nicht auf Berührung. Käufer kritisierten zudem die geringe Auflösung der Rückseite und die durchschnittliche Leistung. Das Konzept fand trotzdem Aufmerksamkeit, weil es kein vergleichbares Gerät gab.

Das YotaPhone 2: zwei vollwertige Displays

Das YotaPhone 2 wurde auf dem Mobile World Congress 2014 in Barcelona vorgestellt und kam im Dezember 2014 in den Handel. Es behob die größten Schwächen des Vorgängers: Das E-Ink-Display auf der Rückseite war größer, schärfer und ließ sich vollständig per Touch bedienen. Bekannt wurde das Gerät auch, weil der russische Präsident Wladimir Putin es 2014 dem chinesischen Staatschef Xi Jinping als Gastgeschenk überreichte.

Technische Daten

  • Vorderseite: 5 Zoll AMOLED, Full HD (1.920 x 1.080 Pixel)
  • Rückseite: 4,7 Zoll E-Ink, 960 x 540 Pixel, kapazitiver Touchscreen
  • Prozessor: Qualcomm Snapdragon 800, vier Kerne mit bis zu 2,2 GHz
  • Arbeitsspeicher: 2 GB
  • Speicher: 32 GB, ohne Kartensteckplatz
  • Akku: 2.500 mAh, kabelloses Laden nach Qi-Standard
  • Kameras: 8 Megapixel hinten, rund 2 Megapixel vorne
  • Funk: LTE, WLAN, Bluetooth, NFC
  • Betriebssystem: Android 4.4 KitKat, später Android 5.0 Lollipop

Wofür die Rückseite gedacht war

Das E-Ink-Display sollte das Farbdisplay entlasten. Typische Anwendungen waren:

  • Lesen: E-Books und lange Artikel ohne flimmerndes Hintergrundlicht, auch in praller Sonne.
  • Daueranzeige: Uhrzeit, Termine, Wetter und Benachrichtigungen blieben sichtbar, ohne dass das Handy aufgeweckt werden musste.
  • Unterwegs: Karten-Ausschnitte, Bordkarten oder Einkaufslisten blieben auch bei leerem Akku noch stehen.
  • Stromsparmodus: Auf Wunsch lief das gesamte Android-System in vereinfachter Darstellung auf der Rückseite. Laut Hersteller verlängerte das die Laufzeit deutlich, weil das AMOLED-Display ausgeschaltet blieb.

Die Schwächen lagen im Alltag: Das E-Ink-Display reagierte langsam, Apps waren nicht dafür optimiert, und die Rückseite aus Glas zerkratzte leicht. Dazu kam ein hoher Preis für ein Gerät eines kaum bekannten Herstellers.

Was aus Yota Devices wurde

Ein YotaPhone 3 erschien 2017, allerdings nur in China. Partner war die Baoli Yota, eine Gesellschaft mit chinesischen Eigentümern, die inzwischen große Anteile an Yota Devices hielten. Das Gerät kam nie offiziell nach Europa. In den folgenden Jahren geriet das Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten, um 2019 verschwand die Marke vom Markt. Ein YotaPhone 4 gab es nicht.

Die Idee eines zweiten Displays auf der Rückseite griffen später auch andere Hersteller auf. Das Hisense A6 aus China kombinierte 2018 ein farbiges OLED-Display vorne mit einem E-Ink-Display hinten, also genau das YotaPhone-Prinzip. Xiaomi baute 2021 in das Mi 11 Ultra ein kleines Zusatzdisplay neben die Kamera, das vor allem als Sucher für Selfies mit der Hauptkamera und als Anzeige für Uhrzeit und Benachrichtigungen diente. Durchgesetzt hat sich keines dieser Konzepte in der Breite.

Die YotaPhones blieben damit Nischengeräte. Ihr Grundgedanke, wichtige Informationen dauerhaft und stromsparend anzuzeigen, hat sich trotzdem durchgesetzt.

So funktioniert E-Ink

E-Ink, auch elektronisches Papier genannt, arbeitet grundlegend anders als LCD- oder OLED-Bildschirme.

  • Mikrokapseln: Der Bildschirm besteht aus winzigen Kapseln oder Zellen mit schwarzen und weißen Pigmentteilchen in einer Flüssigkeit. Die Teilchen sind elektrisch unterschiedlich geladen.
  • Bildwechsel: Eine angelegte Spannung zieht je nach Polung die schwarzen oder die weißen Teilchen nach oben. So entsteht ein Bild aus hellen und dunklen Punkten.
  • Kein Strom für ein stehendes Bild: Energie wird nur beim Umschalten verbraucht. Das zuletzt gezeigte Bild bleibt auch ohne Strom sichtbar.
  • Licht von außen: E-Ink leuchtet nicht selbst, sondern reflektiert Umgebungslicht wie Papier. Deshalb ist es in der Sonne sehr gut lesbar. Für die Dunkelheit sorgt ein Frontlicht, das von der Seite auf die Oberfläche strahlt.

Die Nachteile folgen aus dem Prinzip: Der Bildaufbau dauert deutlich länger als bei LCD oder OLED, Videos und schnelle Animationen ruckeln oder sind gar nicht nutzbar. Nach mehreren Seitenwechseln bleiben Reste des alten Bildes sichtbar (Geisterbilder), die erst ein vollständiges Auffrischen mit kurzem Schwarz-Weiß-Flackern entfernt. Farb-E-Ink wie E Ink Kaleido nutzt einen Farbfilter über dem Schwarz-Weiß-Display, die Farben wirken dadurch blass.

Always-on-Display: die Idee im OLED-Smartphone

Viele aktuelle Smartphones mit OLED-Bildschirm haben ein Always-on-Display. Dabei leuchten im Ruhezustand nur wenige Pixel für Uhrzeit, Akkustand und Benachrichtigungen, der Rest bleibt schwarz und verbraucht keinen Strom. Das braucht mehr Energie als E-Ink, ist aber in Farbe und ohne zweites Display möglich. Genau das Bedürfnis, das die YotaPhone-Rückseite bedienen wollte, lösen heute die meisten Oberklasse-Handys auf diesem Weg.

E-Ink-Smartphones heute

Handys mit E-Ink als einzigem Display haben eine kleine, treue Zielgruppe. Beispiele:

  • Hisense A5 und A9: Android-Smartphones aus China mit E-Ink als Hauptdisplay, vor allem auf dem chinesischen Markt verbreitet.
  • Onyx Boox Palma: ein E-Reader im Smartphone-Format mit Android und Play Store, aber ohne Mobilfunk. Telefonieren ist damit nicht möglich.
  • Bigme HiBreak: E-Ink-Smartphones mit Android und Mobilfunk, teils mit Farb-E-Ink.
  • Mudita Kompakt: ein reduziertes E-Ink-Handy mit eigener, datenschutzorientierter Android-Oberfläche, gedacht für eine digitale Auszeit.
  • Minimal Phone: E-Ink-Display kombiniert mit einer Hardware-Tastatur.

Für wen sich ein E-Ink-Handy eignet

  • Vielleser, die ihr Smartphone vor allem für E-Books, Nachrichten und Messenger nutzen.
  • Menschen, die weniger Zeit am Bildschirm verbringen wollen, weil Videos, Spiele und soziale Netzwerke auf E-Ink wenig Spaß machen.
  • Reisende, Wanderer und Pendler, die mehrere Tage ohne Steckdose auskommen möchten.

Worauf du vor dem Kauf achten solltest

  • Frequenzbänder: Geräte für den chinesischen Markt unterstützen oft nicht alle LTE-Bänder deutscher Netze, insbesondere Band 20 (800 MHz) für die Versorgung auf dem Land.
  • Software: Prüfe, ob Google-Dienste und der Play Store vorhanden sind und wie lange Updates kommen.
  • Kamera: Die Vorschau auf dem E-Ink-Display ist träge und in Graustufen. Fotos gelingen, sind aber Nebensache.
  • Konzept: Zwei Displays wie beim YotaPhone bieten volle Smartphone-Funktionen plus Lesebildschirm. Ein reines E-Ink-Handy spart mehr Strom und lenkt weniger ab, verzichtet dafür auf Videos und Farbe.

Häufige Fragen

Was war das Besondere am YotaPhone 2?

Es hatte zwei vollwertige Displays: vorne ein 5-Zoll-AMOLED in Full HD, hinten ein 4,7-Zoll-E-Ink-Touchscreen. Die Rückseite zeigte Inhalte dauerhaft und fast ohne Stromverbrauch an.

Gibt es noch neue YotaPhones?

Nein. Das letzte Modell, das YotaPhone 3, erschien 2017 nur in China. Um 2019 verschwand die Marke vom Markt.

Warum verbraucht E-Ink so wenig Strom?

Ein E-Ink-Display braucht nur beim Wechsel des Bildes Energie. Ein stehendes Bild bleibt ohne Strom erhalten, und es gibt kein Hintergrundlicht, das dauerhaft leuchtet.

Kann man mit einem E-Ink-Handy Videos schauen?

Nur sehr eingeschränkt. Der langsame Bildaufbau führt zu Ruckeln und Schlieren. E-Ink-Handys sind zum Lesen, Schreiben und Telefonieren gedacht, nicht für Videos oder Spiele.