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UMTS

UMTS steht für Universal Mobile Telecommunications System und war der Mobilfunkstandard der dritten Generation (3G).

UMTS steht für Universal Mobile Telecommunications System und war der Mobilfunkstandard der dritten Generation (3G). Mit UMTS wurde das Handy zum mobilen Internetgerät: Videotelefonie, mobile E-Mails und die ersten Smartphones mit brauchbarem Surfen wurden damit möglich. In Deutschland ist UMTS seit Ende 2021 Geschichte – die Netzbetreiber haben ihre 3G-Netze abgeschaltet und die Frequenzen für LTE und 5G umgewidmet.

Was ist UMTS?

UMTS löste den GSM-Standard der zweiten Generation ab. Während GSM für Telefonate und SMS entwickelt worden war und Daten nur mühsam per GPRS und EDGE übertrug, war UMTS von Anfang an auf paketvermittelte Daten ausgelegt. Technisch nutzt es das Verfahren W-CDMA: Alle Nutzer einer Funkzelle senden gleichzeitig auf einem breiten Frequenzband und werden über individuelle Codes unterschieden. In Deutschland lief UMTS vor allem im Bereich um 2,1 GHz, später auch auf 900 MHz.

Die Geschwindigkeit stieg mit jeder Ausbaustufe:

Technik Generation maximale Download-Rate
GPRS 2,5G rund 55 kbit/s
EDGE 2,75G rund 220 kbit/s
UMTS (Grundausbau) 3G 384 kbit/s
HSDPA 3,5G 3,6 bis 14,4 Mbit/s
HSPA+ (Dual Carrier) 3,75G bis 42 Mbit/s
LTE zum Vergleich 4G anfangs 50 bis 100 Mbit/s, heute über 1 Gbit/s

Im Handy zeigte sich das an den Symbolen: „3G“ für UMTS, „H“ für HSPA und „H+“ für HSPA+.

Die Versteigerung der UMTS-Lizenzen im Jahr 2000

Im Sommer 2000 versteigerte die Regulierungsbehörde in Mainz sechs UMTS-Lizenzen. Nach 173 Bietrunden stand ein Erlös von 98,8 Milliarden D-Mark fest – rund 50,5 Milliarden Euro. Jede Lizenz kostete etwa 16,5 Milliarden Mark. Der damalige Finanzminister Hans Eichel nutzte das Geld zur Schuldentilgung; im Volksmund wurde UMTS deshalb zur „Unerwarteten Mehreinnahme zur Tilgung von Staatsschulden“.

Den Zuschlag erhielten:

  • T-Mobile (heute Telekom)
  • Mannesmann Mobilfunk (D2, später Vodafone)
  • E-Plus mit Hutchison (als Auditorium Investments Germany)
  • Viag Interkom (später O2)
  • Mobilcom Multimedia
  • Group 3G (Marke Quam, getragen von Telefónica und Sonera)

Die hohen Preise belasteten die Branche jahrelang. Group 3G stellte ihr Geschäft 2002 ein, Mobilcom gab die Lizenz 2003 zurück. Übrig blieben vier Netzbetreiber. Nach der Übernahme von E-Plus durch Telefónica 2014 waren es nur noch drei: Telekom, Vodafone und O2.

Start und Ausbau

Kommerziell startete UMTS in Deutschland 2004, zunächst in Großstädten und für Datenkarten im Laptop. Die ersten UMTS-Handys waren dick, teuer und hatten schwache Akkus. Den Durchbruch brachten ab 2007/2008 Smartphones wie das iPhone 3G und die ersten Android-Geräte, die mobiles Internet endlich komfortabel machten. Mit HSDPA und HSPA+ wurde 3G bis Anfang der 2010er-Jahre zum Standard für mobiles Surfen, bevor LTE es ablöste.

Was UMTS möglich gemacht hat

Rückblickend war UMTS die Brücke vom Telefon zum Taschencomputer. Einige Dienste, die heute selbstverständlich sind, wurden erst mit 3G alltagstauglich:

  • Videotelefonie: UMTS-Handys hatten ab 2004 eine zweite Kamera auf der Vorderseite. Die Videoanrufe über das Mobilfunknetz waren teuer und wenig genutzt, bereiteten aber den Boden für FaceTime, Skype und WhatsApp-Videoanrufe.
  • Mobile E-Mails: BlackBerry-Geräte und später Smartphones hielten Mails dank schneller Daten ständig aktuell.
  • Navigation und Karten: Google Maps mit Live-Kartenkacheln war erst mit 3G-Geschwindigkeit komfortabel nutzbar.
  • App Stores: Der App Store (2008) und der Android Market setzten voraus, dass sich Apps unterwegs in vertretbarer Zeit laden ließen.
  • Surfstick und Hotspot: USB-Modems mit UMTS brachten Laptops ins Netz, später übernahm das Smartphone per Tethering.

Gleichzeitig zeigte UMTS die Grenzen: Die Zellen waren groß, die Kapazität schnell erschöpft, und mit dem Smartphone-Boom stieg der Datenverkehr schneller, als das Netz mithalten konnte. Das beschleunigte den Umstieg auf LTE ab 2010.

Die Abschaltung in Deutschland

Die Telekom und Vodafone schalteten ihre 3G-Netze am 30. Juni 2021 ab, O2 (Telefónica) zum 31. Dezember 2021. Der Grund: LTE und 5G nutzen dieselben Frequenzen deutlich effizienter. Auf demselben Spektrum passen mit 4G ein Vielfaches an Daten, das Netz wird schneller und stabiler. Die frei gewordenen Frequenzen um 2,1 GHz wurden deshalb für LTE und 5G umgewidmet.

Was das für alte Handys bedeutet

Ein Handy, das nur UMTS, aber kein LTE beherrscht, fällt auf das alte 2G-Netz (GSM/EDGE) zurück. Telefonieren und SMS funktionieren dann weiter, Internet nur im Schneckentempo. Viele ältere LTE-Handys können außerdem nicht über 4G telefonieren, weil ihnen VoLTE (Voice over LTE) fehlt – sie wechseln für jeden Anruf ins 2G-Netz.

Auch das endet bald: Die Telekom schaltet 2G am 30. Juni 2028 ab, Vodafone im September 2028, O2 in der zweiten Jahreshälfte 2028. Danach können Handys ohne VoLTE gar nicht mehr telefonieren.

So prüfst du dein Handy

  1. Öffne die Einstellungen und such nach „VoLTE“, „4G-Anrufe“ oder „LTE-Anrufe“ – meist unter Mobilfunk, Mobile Netzwerke oder SIM-Karten. Schalte die Option ein.
  2. Findest du die Option nicht, schau ins Datenblatt deines Modells oder frag beim Hersteller nach, ob VoLTE unterstützt wird.
  3. Prüfe im Kundenbereich deines Anbieters, ob VoLTE für deinen Tarif freigeschaltet ist. Bei allen großen Netzbetreibern ist das heute Standard.
  4. Mach einen Testanruf: Zeigt das Handy während des Gesprächs weiter „4G“, „LTE“ oder „VoLTE“ an, funktioniert es. Springt die Anzeige auf „E“ oder „2G“, telefonierst du über das alte Netz.

Wer besonders betroffen ist

Neben alten Smartphones betrifft das Ende von 2G und 3G vor allem Geräte, die jahrelang unbeachtet laufen: einfache Seniorenhandys, Notrufsysteme in Aufzügen, Hausnotruf-Geräte, Alarmanlagen, Stromzähler mit Funkmodul und das automatische Notrufsystem eCall in älteren Autos. Prüfe bei solchen Geräten rechtzeitig mit dem Anbieter, ob ein Tausch nötig ist.

UMTS im Ausland

Auch viele andere Länder haben 3G abgeschaltet, darunter die USA, die Niederlande und Großbritannien. In einigen Ländern läuft 3G noch als Rückfallebene. Auf Reisen solltest du dich deshalb nicht auf ein altes Handy verlassen. Einen Überblick über alle Standards von 1G bis 5G findest du im Artikel über die Mobilfunk-Generationen.

Häufige Fragen

Gibt es in Deutschland noch UMTS?

Nein. Alle drei großen Netzbetreiber haben ihr 3G-Netz bis Ende 2021 abgeschaltet.

Was ist der Unterschied zwischen UMTS und 3G?

UMTS ist der in Europa genutzte Standard der dritten Generation (3G). In anderen Ländern gab es daneben CDMA2000.

Mein Handy zeigt „E“ statt „4G“ – warum?

„E“ steht für EDGE, also das 2G-Netz. Das passiert, wenn am Standort kein LTE verfügbar ist, dein Tarif kein LTE enthält oder du in den Einstellungen die bevorzugte Netzart auf 2G gestellt hast. Stell sie auf „5G/4G/2G automatisch“ oder „LTE“ um.

Funktioniert mein altes Handy noch?

Ein reines 3G-Handy telefoniert bis zur 2G-Abschaltung 2028 über GSM, danach nicht mehr. Handys mit LTE und VoLTE sind nicht betroffen.

Wie viel hat die UMTS-Versteigerung eingebracht?

98,8 Milliarden D-Mark, umgerechnet rund 50,5 Milliarden Euro. Es war eine der teuersten Frequenzauktionen der Welt. Zum Vergleich: Die 5G-Auktion 2019 brachte rund 6,6 Milliarden Euro.

Warum wurde 3G vor 2G abgeschaltet?

2G wird noch für einfache Geräte wie Notrufsysteme, Kartenterminals und Maschinen gebraucht und reicht für Telefonate aus. 3G belegte dagegen viel Spektrum, das mit LTE und 5G deutlich mehr leistet.

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