Das BlackBerry PRIV war ein Wendepunkt: das erste Smartphone des kanadischen Herstellers mit Android, zugleich eines der letzten Oberklasse-Handys mit ausziehbarer Hardware-Tastatur. Der Rückblick zeigt, was das Gerät konnte, warum BlackBerry diesen Schritt ging, was aus der Marke wurde und welche Tastatur-Handys es heute noch gibt.
Das BlackBerry PRIV im Überblick
BlackBerry stellte das PRIV im September 2015 vor, im November 2015 kam es in den Handel. Der Name steht für „Privacy“, also Privatsphäre, und war Programm: Das Gerät sollte die Sicherheitskompetenz von BlackBerry mit der App-Auswahl von Android verbinden.
Äußerlich wirkte das PRIV zunächst wie ein gewöhnliches Touch-Smartphone. Erst wer das Display nach oben schob, sah die vierreihige Tastatur darunter. Das Display war an beiden Längsseiten gewölbt, ähnlich wie beim Samsung Galaxy S6 Edge aus derselben Zeit. Mit dieser Kombination grenzte sich das PRIV deutlich von älteren BlackBerrys ab, die mit fest verbauter Tastatur und kleinem Bildschirm eher als Geschäftsgerät galten.
Technische Daten
- Betriebssystem: Android 5.1 Lollipop, später Update auf Android 6.0 Marshmallow
- Prozessor: Qualcomm Snapdragon 808 (sechs Kerne)
- Arbeitsspeicher: 3 GB
- Speicher: 32 GB, per microSD-Karte um bis zu 2 TB erweiterbar
- Display: 5,4 Zoll AMOLED, 1.440 x 2.560 Pixel (rund 540 ppi), beidseitig gewölbt
- Hauptkamera: 18 Megapixel mit Optik von Schneider-Kreuznach, Dual-LED-Blitz, optischer Bildstabilisator
- Akku: 3.410 mAh, fest verbaut
- Tastatur: ausziehbare Slider-Tastatur, in Deutschland mit QWERTZ-Belegung
Die Tastatur als Touchfläche
Die Hardware-Tastatur war mehr als eine Reihe von Knöpfen. Ihre Oberfläche reagierte auf Berührung: Wer mit dem Finger über die Tasten strich, konnte durch Webseiten und E-Mails scrollen, ohne das Display zu verdecken. Beim Tippen schlug die Software Wörter vor, die sich per Wischgeste nach oben übernehmen ließen. Wer lieber auf dem Glas tippte, konnte den Slider geschlossen lassen und die virtuelle BlackBerry-Tastatur nutzen.
Sicherheit: gehärtetes Android und DTEK
BlackBerry passte Android an mehreren Stellen an. Ein sicherer Startvorgang prüfte beim Einschalten, ob das System verändert wurde, Schlüssel lagen in einem geschützten Bereich der Hardware. Die App DTEK zeigte in einer Ampel an, wie gut das Gerät abgesichert ist, und protokollierte, welche App wann auf Kamera, Mikrofon, Standort oder Kontakte zugriff. Dazu kam der BlackBerry Hub, ein gemeinsamer Posteingang für E-Mails, SMS und Nachrichten aus sozialen Netzwerken. Sicherheitspatches lieferte BlackBerry monatlich und damit schneller als viele andere Android-Hersteller jener Zeit.
Warum BlackBerry auf Android umstieg
Das eigene Betriebssystem BlackBerry 10 galt als durchdacht, hatte aber ein entscheidendes Problem: Es gab kaum Apps. Große Anbieter entwickelten für die geringe Nutzerzahl keine eigenen Versionen, und der Weltmarktanteil von BlackBerry war zu diesem Zeitpunkt bereits auf unter ein Prozent gefallen. Mit Android bekamen Käufer Zugriff auf den Google Play Store, BlackBerry konnte sich auf Sicherheit und Tastatur als Unterscheidungsmerkmal konzentrieren.
Tests lobten Tastatur, Display und Akkulaufzeit. Kritik gab es am hohen Preis, an der spürbaren Wärmeentwicklung unter Last und daran, dass das PRIV nur ein großes Android-Update erhielt. Der Verkaufserfolg blieb hinter den Erwartungen zurück.
Was nach dem PRIV kam
Die Geschichte der BlackBerry-Smartphones nach dem PRIV ist kurz und in mehrere Etappen geteilt.
DTEK50 und DTEK60 ohne Tastatur
2016 erschienen das DTEK50 und das DTEK60. Beide hatten keine Hardware-Tastatur und basierten auf Geräten des chinesischen Herstellers TCL (Alcatel Idol 4 und Idol 4S). BlackBerry steuerte vor allem Software und Sicherheitsfunktionen bei.
Ausstieg aus der eigenen Hardware
Im September 2016 kündigte BlackBerry an, keine eigenen Smartphones mehr zu entwickeln. Ende 2016 erhielt TCL die Lizenz, weltweit Geräte unter dem Namen BlackBerry Mobile zu bauen und zu verkaufen.
KEYone, KEY2 und KEY2 LE
Unter TCL kehrte die Tastatur zurück, diesmal fest unter dem Display statt als Slider. Das KEYone erschien 2017 und hatte einen Fingerabdrucksensor in der Leertaste sowie einen für seine Zeit großen Akku. 2018 folgte das KEY2 mit Dual-Kamera, kurz danach das günstigere KEY2 LE.
Das Ende der BlackBerry-Handys
Im Februar 2020 gab TCL bekannt, keine weiteren BlackBerry-Geräte zu verkaufen, im August 2020 lief die Lizenz aus. Das Unternehmen OnwardMobility aus Texas kündigte danach ein 5G-Smartphone mit Tastatur unter der Marke BlackBerry an. Das Gerät erschien nie, Anfang 2022 wurde das Projekt beendet. Am 4. Januar 2022 schaltete BlackBerry zudem die Dienste für die älteren Systeme BlackBerry OS 7 und BlackBerry 10 ab. Diese Geräte verloren damit Funktionen wie Datenverbindung, SMS und teils auch Telefonie.
BlackBerry als Softwarefirma
Das Unternehmen BlackBerry verkauft heute keine Handys mehr. Es konzentriert sich auf Cybersicherheit für Unternehmen und Behörden sowie auf QNX, ein Echtzeit-Betriebssystem, das in Steuergeräten und Infotainment-Systemen vieler Autohersteller läuft.
Hardware-Tastaturen heute
Mit dem Ende von BlackBerry ist das Tastatur-Smartphone zur Nische geworden. Ganz verschwunden ist es nicht.
Vor- und Nachteile echter Tasten
- Vorteile: Blindes Tippen nach Gefühl, Tastenkürzel für Apps und Funktionen, keine eingeblendete Tastatur, die die Hälfte des Bildschirms verdeckt.
- Nachteile: dickeres und schwereres Gehäuse, kleineres Display oder längeres Gerät, wenig Auswahl und oft kürzere Update-Versorgung.
Geräte und Zubehör mit Tastatur
- Unihertz Titan, Titan Pocket und Titan Slim: Android-Smartphones des chinesischen Herstellers Unihertz mit fest verbauter Tastatur im Stil von KEYone und Passport. Die Tastatur ist in der Regel QWERTY belegt.
- Clicks Keyboard: eine Hülle mit eingebauter Tastatur, die unten an das Smartphone angesetzt wird und das Gerät verlängert. Es gibt sie für mehrere iPhone-Modelle und inzwischen auch für einige Android-Geräte.
- Minimal Phone: ein Nischengerät mit E-Ink-Display und QWERTY-Tastatur, gedacht für Menschen, die weniger Zeit am Bildschirm verbringen wollen.
- Bluetooth-Minitastaturen: faltbare oder kompakte Tastaturen, die bei Bedarf mit dem Smartphone gekoppelt werden, etwa für längere Texte unterwegs.
Worauf du beim Kauf achten solltest
- Layout prüfen: QWERTZ oder QWERTY, und wie Umlaute eingegeben werden.
- Updates: Wie lange liefert der Hersteller Android- und Sicherheitsupdates?
- Frequenzen: Unterstützt das Gerät die LTE- und 5G-Bänder der deutschen Netze?
- Ersatzteile und Service: Bei Nischenherstellern ist eine Reparatur oft schwieriger.
Wer vor allem schneller schreiben will, kommt oft auch ohne Tasten gut zurecht: Wischtastaturen wie Gboard oder SwiftKey und das Sprachdiktat von iOS und Android sind deutlich besser geworden. Das haptische Gefühl einer echten Taste ersetzen sie aber nicht.
Häufige Fragen
War das BlackBerry PRIV das erste Android-Handy von BlackBerry?
Ja. Vorher liefen BlackBerrys mit BlackBerry OS und später mit BlackBerry 10. Das PRIV war 2015 das erste Gerät der Marke mit Android.
Kann man ein BlackBerry PRIV heute noch nutzen?
Als Android-Gerät funktioniert es grundsätzlich weiter, da es nicht auf die abgeschalteten BlackBerry-10-Dienste angewiesen ist. Es erhält aber seit Jahren keine Sicherheitsupdates mehr, viele aktuelle Apps setzen neuere Android-Versionen voraus, und der Akku ist bei gebrauchten Geräten meist verschlissen.
Werden noch neue BlackBerry-Smartphones gebaut?
Nein. Die Lizenz an TCL endete 2020, das geplante 5G-Gerät von OnwardMobility wurde nie ausgeliefert. BlackBerry selbst ist heute ein Softwareunternehmen.
Welche Smartphones haben heute noch eine echte Tastatur?
Vor allem die Titan-Reihe von Unihertz sowie Nischengeräte wie das Minimal Phone. Für iPhones und einige Android-Modelle gibt es mit dem Clicks Keyboard eine ansteckbare Tastaturhülle.