Handy-Geschichte

Wann gab es das erste Handy in Deutschland? Vom A-Netz zum D-Netz

Das erste Handgerät in Deutschland war 1988 das Pocky fürs C-Netz mit 600 Gramm. Das erste GSM-Handy kam am 1. Juli 1992 mit dem Motorola International 3200.

Das erste Handy in Deutschland war 1988 das Pocky für das analoge C-Netz, ein Handgerät mit 600 Gramm Gewicht. Das erste digitale Handy kam mit dem Start der D-Netze am 1. Juli 1992: das Motorola International 3200, gefolgt vom Nokia 1011 im November 1992. Mobil telefonieren konnte man in Deutschland aber schon seit 1958, damals mit Autotelefonen im A-Netz.

Die Antwort hängt also davon ab, was Du mit „Handy“ meinst. Ein Mobiltelefon im Auto gab es ab 1958. Ein tragbares Gerät mit Griff gab es ab 1985 im C-Netz. Ein Handgerät für die Tasche ab 1988. Und das GSM-Handy, wie wir es kennen, ab 1992. Dieser Beitrag geht die vier deutschen Mobilfunknetze A, B, C und D durch, nennt die ersten Geräte, Preise und Teilnehmerzahlen. Alle Etappen weltweit findest Du in unserem Überblick zu den Meilensteinen der Handy-Geschichte.

Wann gab es das erste Mobiltelefon in Deutschland?

Die Deutsche Bundespost startete 1958 das A-Netz. Es war das erste flächendeckende öffentliche Mobilfunknetz in Deutschland und zu dieser Zeit das größte der Welt. Beim Start waren nach Angaben der Museumsstiftung Post und Telekommunikation 439 Autotelefone angemeldet. Die Geräte waren fest im Auto eingebaut, wogen rund 16 Kilogramm und kosteten etwa 15.000 D-Mark. Nach Angaben der deutschen Wikipedia lag der Gerätepreis bei etwa der Hälfte des Wagenpreises.

Telefonieren war aufwendig. Der Nutzer drückte eine Taste, eine Telefonistin im Fernmeldeamt meldete sich und stellte die Verbindung her. Rund 600 Telefonistinnen vermittelten die Gespräche. Wer einen Autotelefon-Besitzer anrufen wollte, musste wissen, in welcher Region er gerade unterwegs war. 1971 war die Kapazität mit knapp 11.000 Teilnehmern erschöpft. 1977 schaltete die Bundespost das A-Netz ab.

Was brachte das B-Netz ab 1972?

Am 14. Januar 1972 ging das B-Netz in Betrieb. Die wichtigste Neuerung war die Selbstwahl: Nutzer konnten mit der Wählscheibe selbst eine Nummer wählen, in beide Richtungen. Das Problem der Erreichbarkeit blieb aber. Das Netz bestand aus rund 150 Zonen mit eigener Vorwahl. Wer ein Autotelefon anrufen wollte, musste die Vorwahl der Zone kennen, in der sich das Auto gerade befand. Beim Wechsel der Zone brach das Gespräch ab.

Auch das B-Netz blieb ein Netz für Autotelefone. Ein Gerät kostete nach Angaben von teltarif.de 12.000 bis 15.000 D-Mark, die Grundgebühr lag bei 270 D-Mark im Monat. 1986 erreichte das Netz mit rund 27.000 Teilnehmern seine Höchstzahl. Die Bundespost schaltete es am 31. Dezember 1994 ab. Was die Autotelefone dieser Zeit konnten, steht im Beitrag Autotelefon und Koffertelefon: die Vorgänger vom Handy.

Kurz gesagt

A-Netz 1958: Autotelefon, handvermittelt. B-Netz 1972: Selbstwahl. C-Netz 1985: erste tragbare Geräte und 1988 das erste Handgerät Pocky. D-Netz 1. Juli 1992: erste GSM-Handys Motorola International 3200 und Nokia 1011. E-Netz 1994: E-Plus als dritter Anbieter.

Gab es 1986 schon Handys in Deutschland?

Ja, aber nur tragbare Koffer, keine Handgeräte. Das C-Netz startete 1985. Die deutsche Wikipedia nennt den 1. Mai 1985 als Starttermin, die Zeitschrift wissenschaft.de den September 1985 zur Funkausstellung in Berlin, die Museumsstiftung sogar 1986. Sicher ist: 1986 lief das Netz und wuchs schnell. Zwischen August und Dezember 1987 stieg die Teilnehmerzahl von 34.000 auf 50.000, 1988 überschritt sie 100.000.

Das C-Netz war das erste zellulare Netz in Deutschland. Die Zellen waren kleiner, die Geräte brauchten weniger Sendeleistung und konnten deshalb tragbar werden. Es gab erstmals eine einheitliche Vorwahl 0161 für alle Teilnehmer und eine automatische Weitergabe des Gesprächs beim Zellwechsel. Eine Berechtigungskarte, zuerst mit Magnetstreifen und ab 1988 als Chipkarte, legte die Rufnummer fest. Sie gilt als Vorläufer der SIM-Karte. Mehr dazu liest Du im Beitrag Geschichte der SIM-Karte.

Die ersten tragbaren Geräte waren sogenannte Portables: Kästen mit Tragegriff, Hörer und Antenne. Das Siemens C2 portable von 1988 wog 7 Kilogramm und wurde wie ein Koffer getragen. Das Nokia Mobira Talkman 320F von 1986 wog 4,7 Kilogramm. Der Philips Porty konnte fest ins Auto gebaut oder als Koffer mitgenommen werden. Welche Geräte Siemens danach baute, zeigt unsere Seite zu Siemens Handys.

Welches war das erste Handgerät in Deutschland?

1988 kam das Pocky auf den Markt. Nach Angaben der Museumsstiftung Post und Telekommunikation war es das erste in Deutschland erhältliche Mobiltelefon, das in die Jackentasche passte. Es wog 600 Gramm, hatte eine seitlich einklappbare Antenne und bot rund 30 Minuten Gesprächszeit. Der Preis lag nach wissen.de bei 8.600 D-Mark, dazu kamen 120 D-Mark Grundgebühr im Monat. Es funktionierte nur im deutschen C-Netz.

Etwa zur gleichen Zeit erschien das Nokia Mobira Cityman mit rund 800 Gramm für etwa 10.000 D-Mark. Ab 1989 folgten kompaktere Geräte mit Namen wie Teleport, Mini-Porty oder Poctel. Bosch nannte sein C-Netz-Gerät von 1989 „Handy C9“, Loewe 1992 sein D-Netz-Gerät „HandyTel 100“. So kam das Wort „Handy“ in die deutsche Sprache. Das C-Netz erreichte Mitte 1993 mit rund 800.000 Teilnehmern seinen Höchststand und wurde am 31. Dezember 2000 abgeschaltet.

Wann startete das D-Netz mit GSM?

Das D-Netz brachte den digitalen Mobilfunk nach dem europäischen Standard GSM. Die Bundespost vergab am 7. Dezember 1989 die Lizenz für das zweite Netz an ein Konsortium unter Führung von Mannesmann. Zehn Bewerber hatten sich gemeldet. Nach einer einjährigen Testphase ging der Regelbetrieb am 1. Juli 1992 los. Mannesmann schaltete sein D2-Netz schon am 30. Juni 1992 frei, einen Tag vor dem D1-Netz der Telekom.

Zum Start zählten beide Netze zusammen nach teltarif.de gerade 5.000 Teilnehmer. Ende 1992 hatte D1 69.000 Kunden, D2 110.000. Im April 1993 meldete die Telekom 130.000 Teilnehmer im D1-Netz. Im ersten Quartal 1994 überschritten die D-Netze zusammen die Millionengrenze. Die Grundgebühr lag 1992 bei rund 80 D-Mark im Monat, die Minute kostete bei D1 zur Hauptzeit 1,67 D-Mark. Wie sich die Netze seit damals entwickelt haben, erklärt unser Beitrag zu den Mobilfunk-Generationen.

Netz Start Ende Technik Höchste Teilnehmerzahl Erste Geräte
A-Netz 1958 1977 analog, handvermittelt, 160 MHz rund 10.500 bis 11.000 (1971) Autotelefon TeKaDe B72, rund 16 kg, rund 15.000 DM
B-Netz 14. Januar 1972 31. Dezember 1994 analog, Selbstwahl, 150 MHz rund 27.000 (1986) Autotelefone, 12.000 bis 15.000 DM
C-Netz 1985 (1. Mai oder September, Quellen uneinig) 31. Dezember 2000 analog, zellular, 450 MHz, Vorwahl 0161 rund 800.000 (1993) Siemens C2 portable (7 kg), Pocky (600 g, 8.600 DM)
D-Netz (D1 Telekom, D2 Mannesmann) 1. Juli 1992 (D2 am 30. Juni 1992) GSM weiter in Betrieb digital, GSM 900 MHz D1 24,58 Mio., D2 22,70 Mio. (Ende 2002) Motorola International 3200 (520 g), Nokia 1011 (495 g)
E-Netz (E1 E-Plus, E2 Viag Interkom) Mai 1994 (E-Plus), 1998 (Viag Interkom) GSM weiter in Betrieb digital, GSM 1800 MHz E1 7,27 Mio., E2 4,58 Mio. (Ende 2002) Dualband-Handys ab Ende der 1990er

Welches war das erste GSM-Handy in Deutschland?

Das Motorola International 3200 war das erste Handy, das in den neuen D-Netzen verkauft wurde. Motorola stellte es 1992 vor. Es wog 520 Gramm, war 33,4 Zentimeter lang und bot mit seinem 700-Milliamperestunden-Akku 110 Minuten Gesprächszeit. Wegen seiner Form bekam es den Spitznamen „Knochen“. Mit Vertrag kostete es nach Angaben der deutschen Wikipedia 3.000 bis 8.000 D-Mark.

Am 10. November 1992 folgte das Nokia 1011, das erste in Serie gefertigte GSM-Handy. Der Name verweist auf das Startdatum. Es wog 495 Gramm, maß 195 mal 60 mal 45 Millimeter und speicherte 99 Rufnummern. Der Preis lag bei rund 2.500 D-Mark. Nokia baute es bis 1994. Mehr dazu steht im Beitrag Das erste Nokia-Handy. Eine Übersicht aller Modelle findest Du auf unserer Seite zu Nokia Handys.

Auch deutsche Hersteller waren dabei. Das tragbare Siemens P1 kostete 2.242,50 D-Mark, wog aber noch rund 2,2 Kilogramm. Ab 1993 fielen die Preise für Geräte und Tarife nach Angaben der deutschen Wikipedia um etwa 40 Prozent.

Gab es 1994 schon Handys in Deutschland?

Ja, 1994 war das Handy in Deutschland angekommen. Im ersten Quartal 1994 telefonierten mehr als eine Million Menschen in den D-Netzen, dazu kamen rund 800.000 Teilnehmer im C-Netz. Im Mai 1994 startete E-Plus als dritter Anbieter das erste E-Netz. Die Lizenz dafür hatte das Unternehmen 1993 von Postminister Wolfgang Bötsch erhalten. Das E-Netz nutzte den Standard DCS 1800, also GSM auf 1800 Megahertz, und brauchte deshalb mehr Sendemasten als D1 und D2.

1994 kam außerdem die SMS in die deutschen Netze. Die Museumsstiftung nennt 1994 als Start, die Telekom 1995 für ihr D1-Netz. Die Geräte wurden kleiner: Das Nokia 2110 und das Nokia 2010 lösten 1994 das Nokia 1011 ab und passten in die Jackentasche. Das B-Netz wurde am 31. Dezember 1994 abgeschaltet.

Zahl im Blick

5.000 Teilnehmer zum Start der D-Netze im Juli 1992. Eine Million im ersten Quartal 1994. 48,25 Millionen Mobilfunkanschlüsse im Jahr 2000. Quelle: teltarif.de und Museumsstiftung Post und Telekommunikation.

Häufige Fragen

Wann gab es das erste Handy in Deutschland?

Das erste Handgerät war 1988 das Pocky für das C-Netz mit 600 Gramm. Das erste GSM-Handy war das Motorola International 3200 zum Start der D-Netze am 1. Juli 1992.

Gab es 1986 schon Handys?

1986 gab es in Deutschland tragbare Koffertelefone fürs C-Netz, etwa das Nokia Mobira Talkman mit 4,7 Kilogramm. Handgeräte kamen erst 1988.

Gab es 1994 schon Handys?

Ja. Im ersten Quartal 1994 nutzten über eine Million Menschen die D-Netze, dazu rund 800.000 das C-Netz. Im Mai 1994 startete E-Plus als dritter Anbieter.

Wann startete das D-Netz?

Der Regelbetrieb begann am 1. Juli 1992. Mannesmann schaltete D2 schon am 30. Juni 1992 frei, die Telekom D1 am 1. Juli 1992.

Was war das erste GSM-Handy in Deutschland?

Das Motorola International 3200 mit 520 Gramm Gewicht. Am 10. November 1992 folgte das Nokia 1011 für rund 2.500 D-Mark.

Wie viele Teilnehmer hatte das C-Netz?

Das C-Netz erreichte Mitte 1993 rund 800.000 Teilnehmer. Es wurde am 31. Dezember 2000 abgeschaltet.

Quellen

  1. Das Telefon wird mobil, Museumsstiftung Post und Telekommunikation (PDF)
  2. A-Netz, Wikipedia (deutsch)
  3. B-Netz, Wikipedia (deutsch)
  4. C-Netz, Wikipedia (deutsch)
  5. D-Netz, Wikipedia (deutsch)
  6. 15 Jahre Mobilfunk: Preise und Teilnehmer seit 1992, teltarif.de
  7. 30 Jahre Mobilfunk für alle, Deutsche Telekom
  8. Die Geschichte der Mobiltelefone, wissen.de