Viele Haushalte haben einen Festnetzanschluss vor allem für das Internet, telefoniert wird fast nur noch mit dem Handy. Das schnurlose Festnetztelefon liegt oft unbenutzt in der Ladeschale. Die Idee, beides in einem Gerät zu vereinen, ist über 25 Jahre alt. Dieser Artikel zeigt, welche Lösungen es gab, wie du deine Festnetznummer heute auf das Smartphone holst und was WLAN Call und VoLTE damit zu tun haben.
Die Geschichte der Verschmelzung
Homezone: das Handy als Festnetztelefon
1999 startete Viag Interkom, der Vorgänger von O2 in Deutschland, den Tarif Genion. Kunden legten eine Homezone rund um ihre Wohnung fest. Innerhalb dieser Zone war das Handy zusätzlich unter einer Festnetznummer erreichbar, und Gespräche kosteten ähnlich wenig wie im Festnetz. Auf dem Display zeigte ein Häuschen-Symbol an, ob man sich in der Zone befand. O2 führte das Prinzip unter dem Namen O2 Genion viele Jahre weiter.
Dual-Mode-Handys mit WLAN
Mitte der 2000er-Jahre kamen Handys mit WLAN auf. Mit der Technik UMA (Unlicensed Mobile Access) konnten sie Gespräche zu Hause über den eigenen Internetanschluss führen und beim Verlassen der Wohnung ins Mobilfunknetz übergeben. Bekannte Angebote waren Unik von Orange in Frankreich und HotSpot@Home von T-Mobile in den USA. Die Auswahl an passenden Handys blieb klein, und die Dienste setzten sich nicht breit durch.
Android-Mobilteile fürs Festnetz
Um 2013 brachte Panasonic mit der Reihe KX-PRX schnurlose Festnetztelefone auf den Markt, die wie ein Smartphone aussahen. Die Mobilteile hatten einen Touchscreen, liefen mit Android 4.0, gingen über das heimische WLAN ins Internet und konnten Apps nutzen. Telefoniert wurde aber über eine DECT-Basisstation am Festnetzanschluss. Ähnliche Geräte gab es von Gigaset. Unterwegs ersetzten sie das Handy nicht.
Kombi-Tarife
Ab 2014 bündelten Netzbetreiber Festnetz und Mobilfunk in gemeinsamen Tarifen, etwa MagentaEINS bei der Telekom oder GigaKombi bei Vodafone. Wer beides vom selben Anbieter bezieht, bekommt Rabatte oder mehr Datenvolumen. Technisch bleiben Festnetz und Handy dabei aber getrennt.
Festnetznummer aufs Smartphone: so geht es mit der FRITZ!Box
Die einfachste und kostenlose Lösung für viele Haushalte ist eine App, die das Smartphone zum Festnetztelefon macht. Wer eine FRITZ!Box als Router hat, nutzt dafür die FRITZ!App Fon für Android und iPhone.
Schritt für Schritt
- Lade die FRITZ!App Fon aus dem Google Play Store oder dem Apple App Store.
- Verbinde dein Smartphone mit dem WLAN deiner FRITZ!Box.
- Öffne die App. Sie sucht die FRITZ!Box im Heimnetz automatisch.
- Melde dich mit dem Benutzernamen und Kennwort der FRITZ!Box an. Ist noch kein Benutzer angelegt, richtest du ihn in der Benutzeroberfläche unter „System“ und „FRITZ!Box-Benutzer“ ein.
- Die App meldet sich selbstständig als IP-Telefon an der FRITZ!Box an.
- Lege in der FRITZ!Box unter „Telefonie“ und „Telefoniegeräte“ fest, über welche Festnetznummer die App ausgehend telefoniert und auf welche Nummern sie klingelt.
Was du davon hast
- Angerufene sehen deine Festnetznummer, nicht deine Handynummer.
- Gespräche laufen über deinen Festnetztarif, eine Festnetz-Flatrate gilt also auch hier.
- Für Festnetzanrufe kannst du einen eigenen Klingelton wählen und erkennst sofort, auf welcher Nummer jemand anruft.
- Der Anrufbeantworter der FRITZ!Box kann Nachrichten als Audiodatei per E-Mail verschicken, du hörst sie also auch unterwegs ab.
- Das Telefonbuch der FRITZ!Box steht in der App zur Verfügung, interne Gespräche zu anderen Telefonen im Haus sind kostenlos.
Mehrere Smartphones im Haushalt lassen sich auf diese Weise gleichzeitig anmelden. Jedes erhält in der FRITZ!Box einen eigenen Eintrag unter „Telefoniegeräte“, sodass Anrufe auf allen Geräten oder gezielt nur auf einem klingeln.
Unterwegs funktioniert die App ebenfalls, wenn das Smartphone per VPN mit der FRITZ!Box verbunden ist. Das VPN richtest du in der FRITZ!Box unter „Internet“ und „Freigaben“ ein, aktuelle FRITZ!OS-Versionen nutzen dafür WireGuard.
Alternativen ohne FRITZ!Box
- SIP-Apps: Apps wie Zoiper oder Linphone melden sich direkt bei deinem VoIP-Anbieter oder einer anderen Telefonanlage an. Die Zugangsdaten stehen meist im Kundenportal des Anbieters.
- Router-Apps anderer Hersteller: Einige Provider-Router bieten eigene Telefonie-Apps an.
- Rufumleitung: Die einfachste Lösung ist eine Weiterleitung der Festnetznummer auf das Handy. Je nach Tarif kostet jede umgeleitete Minute, und ausgehende Anrufe zeigen weiter die Handynummer.
WLAN Call und VoLTE: Mobilfunk über das Internet
Die eigentliche Verschmelzung ist inzwischen im Mobilfunk selbst passiert. Sprachanrufe laufen heute als Datenverbindung, entweder über LTE oder über WLAN.
VoLTE
VoLTE (Voice over LTE) bedeutet Telefonieren direkt über das LTE-Netz. Telekom, Vodafone und O2 führten es 2015 und 2016 ein. Die Vorteile: bessere Sprachqualität in HD Voice, ein Verbindungsaufbau in etwa ein bis zwei Sekunden und schnelles Surfen während des Gesprächs. Seit alle drei Netzbetreiber 2021 ihr 3G-Netz abgeschaltet haben, ist VoLTE für gute Gesprächsqualität unverzichtbar. Ohne VoLTE weicht das Handy für Anrufe auf das ältere 2G-Netz aus, sofern es noch verfügbar ist. Unter 5G heißt die gleiche Technik VoNR.
WLAN Call
WLAN Call, auch VoWiFi oder WLAN-Telefonie genannt, nutzt ein beliebiges WLAN für normale Handygespräche. Du telefonierst mit deiner Handynummer, ohne App und ohne Umwege. Abgerechnet wird wie ein Gespräch im deutschen Mobilfunknetz. Das hilft vor allem dort, wo der Empfang schlecht ist, etwa im Keller, in Altbauten mit dicken Wänden oder in Häusern mit Wärmeschutzverglasung. Verlässt du das WLAN, übergibt das Handy das Gespräch ins LTE-Netz.
So schaltest du WLAN Call ein
- iPhone: Einstellungen, Mobilfunk, WLAN-Anrufe, dann „WLAN-Anrufe auf diesem iPhone“ aktivieren.
- Samsung: Einstellungen, Verbindungen, WLAN-Anrufe.
- Andere Android-Geräte: meist unter Einstellungen, Netzwerk und Internet, SIMs oder Mobilfunknetz, Option WLAN-Anrufe.
Voraussetzung ist, dass Tarif und Smartphone die Funktion unterstützen. Bei Discount-Anbietern und älteren Handys fehlt sie teilweise. Taucht der Schalter nicht auf, hilft ein Blick in die Tarifdetails oder ein Software-Update.
Welche Lösung passt zu dir?
- Du willst unter deiner Festnetznummer erreichbar bleiben: FRITZ!App Fon oder eine SIP-App.
- Du hast zu Hause schlechten Handyempfang: WLAN Call einschalten.
- Du brauchst gar keine Festnetznummer mehr: Prüfe, ob dein Internettarif ohne Telefonie günstiger ist, und telefoniere nur mit dem Handy über VoLTE und WLAN Call.
- Du möchtest ein klassisches Telefon behalten: Ein DECT-Mobilteil an der FRITZ!Box bleibt die einfachste Lösung, zum Beispiel für ältere Familienmitglieder.
Wer die Festnetznummer behalten möchte, weil Familie, Ärzte oder Behörden sie kennen, kann sie beim Anbieterwechsel mitnehmen. Voraussetzung ist, dass der neue Anschluss im selben Ortsnetz liegt. Die Portierung beantragst du beim neuen Anbieter, der alte muss die Nummer freigeben.
Häufige Fragen
Kann ich meine Festnetznummer auf dem Handy nutzen?
Ja. Mit der FRITZ!App Fon und einer FRITZ!Box oder mit einer SIP-App telefoniert das Smartphone über deinen Festnetzanschluss. Angerufene sehen dann die Festnetznummer.
Kostet WLAN Call extra?
Nein. Gespräche über WLAN Call werden wie normale Inlandsgespräche im Mobilfunk abgerechnet, eine Allnet-Flat gilt also auch hier.
Funktioniert die FRITZ!App Fon auch unterwegs?
Ja, wenn das Smartphone per VPN mit der FRITZ!Box verbunden ist. Ohne VPN klappt die Festnetz-Telefonie nur im eigenen WLAN.
Was ist der Unterschied zwischen VoLTE und WLAN Call?
Bei VoLTE läuft das Gespräch über das LTE-Mobilfunknetz, bei WLAN Call über ein WLAN und den dahinterliegenden Internetanschluss. Beide nutzen deine Handynummer und können ein Gespräch nahtlos aneinander übergeben.