Prepaid oder Vertrag? Die Frage stellt sich bei jedem Tarifwechsel neu. Früher war die Antwort einfach: Prepaid für Wenignutzer, Vertrag für alle mit Datenhunger und Wunsch nach einem neuen Handy. Heute verschwimmen die Grenzen. Es gibt Prepaid-Tarife mit 50 GB Datenvolumen, monatlich kündbare Verträge und Handys, die du unabhängig vom Tarif auf Raten kaufst.
Hier siehst du, wie sich beide Modelle unterscheiden, welche Rechte du hast und für wen sich was lohnt.
So funktioniert Prepaid
Bei Prepaid zahlst du im Voraus. Du lädst Guthaben auf, und davon werden deine Tarifoptionen und Einzelverbindungen abgebucht. Ist das Guthaben aufgebraucht, kannst du nur noch Notrufe absetzen und angerufen werden.
Die meisten Prepaid-Tarife laufen heute als Pakete mit fester Laufzeit von vier Wochen oder einem Monat. Das Paket verlängert sich automatisch, wenn genug Guthaben auf dem Konto ist. Aufladen kannst du per Lastschrift, Kreditkarte, PayPal, mit Guthabenkarten aus Supermarkt und Tankstelle oder per Automatik-Aufladung.
Seit Juli 2017 musst du auch bei Prepaid-Karten deine Identität nachweisen, etwa per Video-Ident, Online-Ausweis (eID) oder im Shop. Anonyme SIM-Karten gibt es in Deutschland nicht mehr.
So funktioniert der Laufzeitvertrag
Beim Vertrag zahlst du eine feste monatliche Grundgebühr und erhältst dafür ein festgelegtes Paket aus Datenvolumen, Telefonie und SMS. Abgerechnet wird nachträglich per Rechnung. Vor dem Abschluss prüft der Anbieter meist deine Bonität bei der Schufa oder einer anderen Auskunftei. Details zu Vertragsarten und Kündigung findest du in unserem großen Ratgeber zum Handyvertrag.
Das gilt beim Vertrag rechtlich
- Die Mindestlaufzeit darf höchstens 24 Monate betragen. Anbieter müssen zusätzlich einen Tarif mit höchstens zwölf Monaten Laufzeit anbieten.
- Nach Ablauf der Mindestlaufzeit kannst du seit Dezember 2021 jederzeit mit einer Frist von einem Monat kündigen. Die frühere automatische Verlängerung um ein ganzes Jahr gibt es nicht mehr.
- Online abgeschlossene Verträge lassen sich über einen gut sichtbaren Kündigungsbutton auf der Website des Anbieters beenden.
Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick
| Prepaid | Laufzeitvertrag | |
|---|---|---|
| Bindung | keine, Paket meist 4 Wochen | bis 24 Monate, danach monatlich kündbar |
| Bonitätsprüfung | nein | ja, in der Regel |
| Kostenkontrolle | vollständig, nur vorhandenes Guthaben | feste Grundgebühr, Zusatzkosten möglich |
| Datenvolumen | bis etwa 50 GB, selten unbegrenzt | bis unbegrenzt |
| Netzqualität | teils gedrosselte Höchstgeschwindigkeit | meist volle Netzleistung inklusive 5G |
| Handy dazu | nein, separat kaufen | optional, über Grundgebühr oder Zuzahlung |
| Extras | selten | MultiSIM, Streaming-Optionen, WLAN-Call, eSIM fast überall |
Für wen sich Prepaid lohnt
- Wenignutzer: Wer das Handy vor allem für Anrufe und WhatsApp nutzt, kommt mit einem kleinen Paket für wenige Euro im Monat aus.
- Kinder und Jugendliche: Das erste Handy mit Prepaid heißt: keine bösen Überraschungen auf der Rechnung. Mehr als das Guthaben kann nicht verbraucht werden.
- Zweitgeräte: Für Tablet, Notfallhandy im Auto oder ein Seniorenhandy reicht oft eine Prepaid-Karte, die nur selten aufgeladen wird.
- Menschen mit negativer Schufa: Prepaid gibt es ohne Bonitätsprüfung.
- Flexible Nutzer: Wer den Tarif häufig wechseln will, kann Prepaid-Pakete einfach auslaufen lassen.
Für wen sich ein Vertrag lohnt
- Vielnutzer: Wer viel streamt, unterwegs arbeitet oder das Handy als Hotspot nutzt, braucht großes oder unbegrenztes Datenvolumen. Das gibt es fast nur im Vertrag.
- Anspruch auf Netzqualität: Verträge der Netzbetreiber nutzen meist die volle Geschwindigkeit, 5G Standalone und Priorisierung bei Überlastung.
- Familien: Partner- und Familienkarten senken den Preis pro Person, wenn mehrere Verträge beim selben Anbieter laufen.
- Vielreisende: Einige Verträge enthalten Roaming-Pakete für die Schweiz, Großbritannien oder die USA. Innerhalb der EU surfst du mit beiden Modellen zu Inlandskonditionen. Mehr dazu in unserem Artikel zum Datenroaming.
Deinen Bedarf ermitteln, bevor du vergleichst
Viele zahlen für Datenvolumen, das sie nie nutzen, oder landen jeden Monat in der Drosselung. Schau deshalb zuerst nach, wie viel du wirklich verbrauchst: beim iPhone unter Einstellungen > Mobilfunk, bei Android unter Einstellungen > Netzwerk & Internet > SIMs > Datennutzung. Auch die Rechnung oder die App deines Anbieters zeigt den Verbrauch der letzten Monate.
Zur Orientierung einige ungefähre Werte pro Stunde:
- Musikstreaming: 40 bis 150 MB
- Navigation: 5 bis 20 MB
- Videostreaming in SD: rund 0,7 GB
- Videostreaming in Full-HD: 1,5 bis 3 GB
- Videotelefonie: 0,5 bis 1,5 GB
- Social Media mit vielen Videos: mehrere hundert MB
Plane etwa 20 Prozent Puffer ein. Wer zu Hause und im Büro fast immer im WLAN ist, kommt oft mit 5 bis 10 GB aus, auch wenn die Werbung größere Pakete nahelegt.
Das richtige Netz wählen
In Deutschland gibt es drei große Netze: Telekom, Vodafone und O2. Dazu kommt 1&1 mit einem eigenen Netz im Aufbau. Fast alle Discounter nutzen eines dieser Netze. Entscheidend ist also nicht die Marke, sondern das Netz dahinter und wie gut es an deinem Wohnort, am Arbeitsplatz und auf der Pendelstrecke funktioniert. Die Netzkarten der Anbieter und Erfahrungen von Nachbarn helfen dabei.
Worauf du im Kleingedruckten achten solltest
- Höchstgeschwindigkeit und Drosselung nach Verbrauch des Volumens
- Anschlussgebühr und einmalige Kosten
- Preissprung nach Ablauf eines Aktionszeitraums
- Kosten für eSIM, SIM-Tausch und Rufnummernmitnahme
- Datenautomatik, die bei Verbrauch automatisch kostenpflichtiges Volumen nachbucht
Handy mit Vertrag oder separat kaufen?
Das „Handy für 1 Euro“ ist nie kostenlos. Die Kosten stecken in der höheren Grundgebühr über 24 Monate. Rechne deshalb immer die Gesamtkosten aus:
- Grundgebühr × 24 Monate
- plus Einmalzahlung für das Gerät
- plus Anschlussgebühr
- minus aktueller Marktpreis des Handys
Das Ergebnis vergleichst du mit einem gleichwertigen SIM-only-Tarif. In vielen Fällen ist es günstiger, das Handy selbst zu kaufen, auch auf Raten, und einen günstigen Tarif ohne Gerät zu wählen. Vorteil: Das Handy hat keinen Simlock, und du kannst den Tarif jederzeit wechseln.
Die Zwischenlösung: Monatlich kündbare Tarife
Viele Discount-Marken bieten Laufzeitverträge ohne Mindestlaufzeit an. Du zahlst per Rechnung wie beim Vertrag, kannst aber jeden Monat kündigen wie bei Prepaid. Der Aufpreis gegenüber der 24-Monats-Variante ist oft gering. Für die meisten Menschen, die ihr Handy selbst kaufen, ist das heute die flexibelste Lösung. Sinkt der Preis bei einem anderen Anbieter oder brauchst du plötzlich mehr Datenvolumen, wechselst du einfach zum nächsten Monat.
Drittanbietersperre: Schutz für beide Modelle
Egal ob Prepaid oder Vertrag: Über die Mobilfunkrechnung können auch fremde Firmen abrechnen, etwa für Abos, die durch einen versehentlichen Klick auf eine Werbeanzeige entstehen. Mit einer Drittanbietersperre verhinderst du das. Du richtest sie kostenlos beim Anbieter ein, meist im Kundenbereich der App oder über die Hotline. Gerade bei Handys für Kinder solltest du die Sperre direkt beim Abschluss aktivieren. Auch Premium-SMS und teure Sonderrufnummern lassen sich bei vielen Anbietern sperren.
Bei Prepaid behältst du den Überblick über den Kontostand per App oder Kurzwahl. Die Automatik-Aufladung ist bequem, hebt aber einen Teil der Kostenkontrolle wieder auf. Stell sie deshalb auf einen festen Betrag pro Monat ein.
Wechsel ohne Nummernverlust
Egal ob du von Prepaid zum Vertrag wechselst oder umgekehrt: Deine Rufnummer kannst du mitnehmen. Den Wechsel beantragst du beim neuen Anbieter. Der alte Anbieter darf für die Portierung eine geringe Gebühr verlangen. Bei Prepaid hast du nach Vertragsende Anspruch darauf, dir das Restguthaben auszahlen zu lassen. Mit einem Dual-SIM-Handy kannst du beide Nummern während des Übergangs parallel nutzen.
Häufige Fragen
Ist Prepaid immer günstiger?
Nein. Bei großem Datenvolumen sind SIM-only-Verträge und monatlich kündbare Tarife oft günstiger pro Gigabyte als Prepaid-Pakete.
Verfällt Prepaid-Guthaben?
Guthaben darf nicht einfach verfallen. Anbieter können eine inaktive Karte nach längerer Zeit kündigen, müssen dir das Restguthaben aber erstatten.
Kann ich mit Prepaid auch 5G nutzen?
Ja, viele Prepaid-Tarife enthalten inzwischen 5G. Bei Discount-Marken ist die Höchstgeschwindigkeit teils begrenzt.
Wie kündige ich einen Prepaid-Tarif?
Meist über die App oder den Kundenbereich. Einige Anbieter verlangen eine kurze Frist zum Ende des laufenden Pakets. Das Restguthaben lässt du dir danach auf dein Bankkonto überweisen.