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Roaming: Was in der EU gilt und wo es teuer wird

In 32 Ländern gilt dein Inlandstarif. Erfahre, wann Fair Use greift, warum Schweiz und Satellitennetze teuer werden und welche Einstellungen schützen.

Im EU-Urlaub darfst du dein Handy meist so nutzen wie zu Hause. Teuer wird es, wenn dein Tarif ein Fair-Use-Limit hat, das Smartphone in ein Schweizer Netz springt oder auf einer Fähre ein Satellitennetz findet. Mit einem Tarifcheck vor der Abreise und wenigen Einstellungen vermeidest du diese drei Kostenfallen. Prüfe dabei Land, Tarif und Netzwahl getrennt, denn für jedes Problem greift eine andere Regel. Beim Grenzübertritt in ein Nicht-EU-Land informiert dich eine SMS über die geltenden Preise.

In 32 Ländern gilt dein Inlandstarif

Das Prinzip „Roam like at home“ gilt in allen 27 EU-Staaten sowie in Island, Liechtenstein, Norwegen, der Ukraine und Moldau. Damit umfasst die Zone 32 Länder. Telefonate, SMS und mobiles Internet kosten dort grundsätzlich genauso viel wie in deinem deutschen Tarif.

Hast du zu Hause eine Telefon- oder SMS-Flat, gilt sie in diesen Ländern ebenfalls. Beim Datenvolumen ist dein Inlandspaket der Ausgangspunkt. Bietet das besuchte Netz dieselbe Technik, soll auch die Netzqualität und Geschwindigkeit bei 4G oder 5G gleich sein.

Ein Anruf ins Ausland ist etwas anderes als Roaming

Roaming nutzt du, wenn du mit deiner deutschen SIM-Karte im Ausland unterwegs bist. Rufst du dagegen von Deutschland aus in ein anderes EU-Land an, handelt es sich um internationale Telefonie. Dafür gelten andere Preisgrenzen: höchstens 19 Cent netto pro Minute und 6 Cent netto pro SMS.

Dein EU-Datenlimit steht im Tarif, nicht auf der Rechnung

Bei günstigen Tarifen darf der Anbieter das nutzbare Datenvolumen im EU-Ausland begrenzen. Diese Fair-Use-Regel greift, wenn der rechnerische Preis pro Gigabyte unter dem regulierten Großhandelspreis liegt. Im Jahr 2026 beträgt dieser Preis 1,10 Euro netto pro GB, ab 2027 sinkt er auf 1 Euro.

So rechnest du das Mindestvolumen aus

Teile den monatlichen Nettopreis deines Tarifs durch 1,10 Euro und multipliziere das Ergebnis mit 2. Bei 10 Euro netto im Monat ergibt das rund 18,2 GB als Mindest-Roamingvolumen. Der Anbieter muss dich ausdrücklich über ein Datenlimit informieren. Fehlt diese Information, darfst du dein volles Inlandvolumen im EU-Ausland nutzen.

  • Nach Überschreiten der Grenze sind maximal 1,10 Euro netto pro GB Aufschlag erlaubt.
  • Für Telefonate liegt der maximale Aufschlag bei 0,019 Euro netto pro Minute, für SMS bei 0,003 Euro.
  • Hältst du dich über 4 Monate mehr im EU-Ausland als in Deutschland auf und nutzt dort auch mehr, kannst du als Dauerroamer gelten. Nach einer Warnung darf der Anbieter dann Aufschläge verlangen.

In der Schweiz und im Vereinigten Königreich zählt dein Tarif

Die Schweiz gehört weder zur EU noch zum EWR. Deshalb schützt dich die EU-Roaming-Regel dort nicht. Ohne passenden Tarif oder gebuchte Option können Daten und Telefonate dort teuer werden.

Schau deshalb in die Tarifdetails: Aktuelle MagentaMobil-Tarife der Telekom behandeln die Schweiz freiwillig wie ein EU-Land. Bei anderen Anbietern ist die Schweiz teils inklusive, teils buchst du einen Tages- oder Wochenpass dazu.

Am Bodensee kann das Schweizer Netz bereits auf deutscher Seite auftauchen

Rund um Bodensee, Hochrhein und Alpen wählt ein Smartphone oft automatisch ein Schweizer Netz, obwohl du noch in Deutschland bist. Schalte in diesen Regionen die automatische Netzwahl aus und wähle deinen Anbieter manuell. So siehst du vor dem Verbinden, welches Netz dein Handy nutzen soll.

Auch das Vereinigte Königreich ist nicht mehr an die EU-Roaming-Verordnung gebunden. Dort bestimmt dein Anbieter die Konditionen. Bei aktuellen MagentaMobil-Tarifen ist Großbritannien ohne Aufpreis eingeschlossen; bei anderen Tarifen solltest du die Reiseoption vor der Abfahrt prüfen.

Norwegen, Ukraine und Moldau gehören zur Roaming-Zone

Norwegen ist über den EWR vollständig in die Roaming-Regeln eingebunden. Dasselbe gilt für Island und Liechtenstein. Für einen Roadtrip durch Norwegen oder eine Reise nach Island brauchst du deshalb normalerweise keinen separaten Datenpass.

Die Ukraine und Moldau gehören zur „Roam-like-at-home“-Zone. In beiden Ländern gelten für EU-Kunden Inlandspreise, umgekehrt profitieren Kunden aus diesen Ländern beim Roaming in der EU. Ein Fair-Use-Limit deines Tarifs kann trotzdem gelten.

Auf Fähren und im Flugzeug schützt EU-Roaming nicht

Sobald sich dein Handy auf einer Fähre, einem Kreuzfahrtschiff oder im Flugzeug mit einem Satellitennetz verbindet, gelten die EU-Regeln nicht mehr. Ein MB Daten kann dann 20 bis 28 Euro kosten. Eine Minute Social-Media-Scrollen kann mit rund 40 Euro zu Buche schlagen.

  • Ausgehende Telefonate über Satellit kosten 3 bis 7 Euro pro Minute.
  • Auch eingehende Anrufe werden berechnet: 1,70 bis 7 Euro pro Minute.
  • Eine SMS kostet zwischen 0,55 und 1 Euro.

Für mobile Daten gibt es einen Kostenairbag von 50 Euro netto (59,50 Euro brutto). Bei 80 Prozent davon muss der Anbieter warnen; ist die Grenze erreicht, wird die Datenverbindung unterbrochen, bis du einer weiteren kostenpflichtigen Nutzung zustimmst. Auf See kann diese Grenze technisch verzögert greifen. Für Telefonate gilt der Kostenairbag nicht.

Bei einer Verbindung mit einem Satellitennetz muss dein Anbieter eine Informations-SMS mit Preisangabe senden. Verlass dich auf diese Warnung nicht als einzige Bremse: Auf See kann die technische Unterbrechung erst greifen, nachdem weitere Datenkosten entstanden sind.

Mit 5 Schritten verhinderst du Kostenfallen

  1. Prüfe das Reiseland und deinen Tarif. Kläre vor der Buchung, ob dein Ziel zur 32-Länder-Zone gehört. Bei Schweiz und Vereinigtem Königreich zählt der genaue Tarif, nicht der Name des Reiseziels.

  2. Suche nach dem EU-Datenlimit. Lies die Tarifinformation zu Fair Use. Ohne ausdrückliche Mitteilung eines Roaming-Datenlimits gilt dein volles Inlandvolumen.

  3. Wähle im Grenzgebiet das Netz selbst. Stelle am Bodensee, Hochrhein oder in den Alpen die Netzwahl auf manuell. Das schützt vor einer automatischen Verbindung mit einem Schweizer Netz.

  4. Schalte Datenroaming vor Schiff und Flug aus. Auf dem iPhone findest du die Einstellung unter „Einstellungen > Mobilfunk > Datenoptionen > Datenroaming“. Bei Android liegt sie je nach Hersteller unter „Einstellungen > Netzwerk & Internet > SIMs“ oder „Einstellungen > Verbindungen > Mobile Netzwerke“. Vor der Abfahrt helfen Flugmodus oder komplett deaktivierte mobile Daten.

  5. Plane außerhalb der EU Daten und Telefonie getrennt. Reise-eSIMs sind außerhalb der EU oft deutlich günstiger als Tagespässe deutscher Netzbetreiber. Voraussetzung ist ein eSIM-fähiges Gerät, etwa ein iPhone ab XS, Samsung Galaxy ab S20 oder Google Pixel ab 3. WLAN Call fällt nicht unter die EU-Roaming-Regeln: Der Anruf wird so abgerechnet, als kämst du aus Deutschland. Außerhalb der EU kostet ein WLAN-Anruf nach Deutschland dadurch meist nur den Inlandstarif, ein Anruf ins Reiseland dagegen den Auslandstarif.

Häufige Fragen

Gilt EU-Roaming in der Schweiz?

Nein. Die Schweiz gehört nicht zur EU und nicht zum EWR. Ob dort trotzdem Inlandskonditionen gelten, steht allein in deinem Tarif oder einer gebuchten Reiseoption.

Gilt EU-Roaming auf einer Fähre?

Nein, wenn das Handy ein maritimes Satellitennetz nutzt. Schalte vor dem Auslaufen den Flugmodus ein oder Datenroaming aus, damit keine automatische Verbindung entsteht.

Wie viel Datenvolumen darf ich in der EU nutzen?

Ohne mitgeteiltes Datenlimit das volle Inlandvolumen. Bei Fair Use ergibt sich das Mindestvolumen aus dem monatlichen Nettopreis geteilt durch 1,10 Euro, multipliziert mit 2.

Deckt der Kostenairbag Telefonate auf See ab?

Nein. Die Grenze von 50 Euro netto (59,50 Euro brutto) betrifft nur mobile Daten. Telefonate über Satellitenverbindungen können weiter Kosten verursachen.