Handy-Geschichte

Wann gab es das erste Smartphone? IBM Simon, Nokia und iPhone

Das erste Smartphone war der IBM Simon: ab 16. August 1994 für 899 Dollar in den USA, 50.000 Stück. Den Begriff prägte Ericsson 1997, das iPhone kam 2007.

Das erste Smartphone war der IBM Simon Personal Communicator. Er kam am 16. August 1994 in den USA in den Handel, kostete 899 Dollar mit Vertrag und verkaufte sich rund 50.000 Mal.

Das Wort „Smartphone“ gab es damals noch nicht. Ericsson prägte den Begriff erst 1997 für einen Prototyp und brachte im Jahr 2000 mit dem R380 das erste Gerät heraus, das offiziell so hieß. Dazwischen lag 1996 der Nokia 9000 Communicator, das erste Handy mit Tastatur, E-Mail und Internet. Wer das erste Smartphone erfunden hat, hängt also davon ab, was man als Smartphone zählt. Dieser Text ordnet die Geräte nach Datum und nennt zu jedem die belegten Zahlen. Eine Übersicht über alle wichtigen Schritte findest du auf der Seite zu den Meilensteinen der Handy-Geschichte.

Was war das erste Smartphone der Welt?

Der IBM Simon gilt als das erste Smartphone. Er vereinte ein Mobiltelefon mit einem kleinen Computer, hatte einen Touchscreen und ließ sich mit einem Stift bedienen. Neben Telefonie bot er Fax, E-Mail, Kalender, Adressbuch, Notizen, Taschenrechner und eine Weltzeituhr. Das Gerät war 20 Zentimeter lang und wog rund 510 Gramm. Der monochrome Bildschirm maß 11,4 mal 3,6 Zentimeter und zeigte 160 mal 293 Pixel.

Verkauft wurde der Simon in den USA vom Mobilfunkanbieter BellSouth. Der Verkauf begann am 16. August 1994 und endete im Februar 1995. In diesen sechs Monaten gingen etwa 50.000 Geräte über den Ladentisch. Der Preis lag bei 899 Dollar mit Zweijahresvertrag oder 1.099 Dollar ohne Vertrag. Später senkte BellSouth den Preis auf 599 Dollar. Ein großes Problem war der Akku. Er hielt im Gespräch nur etwa eine Stunde durch.

Kurz gesagt

Der IBM Simon kam am 16. August 1994 für 899 Dollar in den Handel. Er hatte Touchscreen, E-Mail und Fax, wog 510 Gramm und hielt nur eine Stunde durch. Rund 50.000 Stück wurden verkauft, dann war Schluss.

Wer hat das erste Smartphone erfunden?

Als Erfinder des Simon gilt der IBM-Ingenieur Frank Canova. Er erkannte Anfang der 1990er Jahre, dass Chips und Funktechnik klein genug für ein Gerät in der Hand geworden waren. Sein Team baute den Prototyp „Sweetspot“, den IBM am 16. November 1992 auf der Computermesse COMDEX in Las Vegas zeigte. Manche Quellen nennen den 23. November 1992. Nach der Messe startete IBM das Serienprodukt unter dem Codenamen „Angler“. Gefertigt wurde es von Mitsubishi Electric.

Der Verkaufsstart war zunächst für Mai 1994 geplant. Softwarefehler verzögerten ihn bis August 1994. Canova wechselte später zu Palm und arbeitete dort an den Palm-Pilot-Geräten. Die Patente aus dem Simon-Projekt zählen zu den frühesten Patenten für Smartphone-Technik.

Warum war der Simon kein Erfolg?

Der Simon war seiner Zeit voraus. Mobiles Internet gab es noch nicht, E-Mail nutzten nur wenige Menschen, und Faxe verschickte man vom Büro aus. Dazu kamen der hohe Preis, das Gewicht von über einem halben Kilo und die kurze Akkulaufzeit. Das Gerät funkte nur im analogen AMPS-Netz der USA. Nach Europa kam es nie. IBM stellte das Projekt im Februar 1995 ein. Für den Erfolg eines Smartphones fehlten damals drei Dinge: schnelle Datennetze, günstige Speicherchips und ein Angebot an Programmen. Wie sich die Netze seitdem entwickelt haben, zeigt die Seite zu den Mobilfunk-Generationen.

War der Nokia 9000 Communicator das erste richtige Smartphone?

Viele Fachleute sehen den Nokia 9000 Communicator als das erste alltagstaugliche Smartphone. Nokia zeigte ihn am 13. März 1996 auf der CeBIT in Hannover. In den Handel kam er am 15. August 1996. Das Gerät war ein Klapphandy im Querformat. Aufgeklappt zeigte es eine komplette Tastatur und ein Display mit 640 mal 200 Pixeln. Es wog 397 Gramm und lief mit einem Intel-386-Prozessor bei 24 MHz. Das Betriebssystem war GEOS.

Der Communicator konnte E-Mails und Faxe senden, im Internet surfen und Texte bearbeiten. Die Datenverbindung lief mit 9,6 Kilobit pro Sekunde über das GSM-Netz. In Deutschland kostete das Gerät rund 2.700 Mark ohne SIM-Karte, in Großbritannien 1.000 Pfund. Damit war der 9000 das erste Smartphone, das du in Deutschland kaufen konntest. Mehr zur Marke findest du auf der Seite Nokia Handys und im Artikel zum ersten Nokia-Handy.

Woher kommt das Wort „Smartphone“?

Ericsson verwendete das Wort 1997 zum ersten Mal. Es stand auf dem Konzeptgerät GS88 mit dem Codenamen „Penelope“. Das GS88 hatte einen Touchscreen und zwei Betriebssysteme, eins fürs Telefon und GEOS für den Organizer. Ericsson baute nur rund 200 Exemplare und verzichtete auf einen Verkauf. Stattdessen entstand mit Psion und Nokia die Symbian-Plattform.

Das erste Gerät, das offiziell als Smartphone verkauft wurde, war der Ericsson R380. Ericsson zeigte ihn am 19. Februar 1999 auf der CeBIT. Die Auslieferung begann rund um September 2000. Der R380 hatte einen Schwarz-Weiß-Touchscreen, lief mit dem Symbian-Vorläufer EPOC Release 5 und wog 160 Gramm. Der Preis lag bei etwa 700 Dollar. Deutsche Quellen schreiben die Prägung des Begriffs teils dem Jahr 1999 oder 2000 zu. Die englischen Quellen nennen übereinstimmend 1997 und das GS88. Mehr Modelle der Marke zeigt die Seite Ericsson Handys.

Wie ging es nach 2000 weiter?

Ab 2001 kamen Smartphones in schneller Folge. Nokia brachte im Juni 2001 den 9210 Communicator mit Farbdisplay und Symbian OS. Die kanadische Firma Research In Motion stellte am 4. März 2002 den BlackBerry 5810 vor. Er war der erste BlackBerry mit Telefonfunktion, allerdings nur über ein Headset. Ab 2003 folgten Geräte wie der BlackBerry 6210 und der Palm Treo 600, beide mit Tastatur, E-Mail und Kalender. Symbian hatte 2006 einen Marktanteil von rund 73 Prozent.

Parallel dazu baute Microsoft ab 2002 mit Windows Mobile ein eigenes Lager auf. Hersteller wie HTC, HP und Motorola brachten Geräte mit Stift und kleinen Menüs. Palm setzte mit dem Treo auf Tastatur plus Touchscreen. Alle diese Smartphones richteten sich an Geschäftsleute. Für Privatkunden waren sie zu teuer und zu kompliziert. Der Massenmarkt kaufte weiter normale Handys mit Tasten.

Am 9. Januar 2007 stellte Steve Jobs das iPhone vor. Es kam am 29. Juni 2007 in den USA in den Handel. Das iPhone hatte als erstes verbreitetes Handy einen Multitouch-Bildschirm ohne Stift und ohne Tastatur. Es setzte den Standard, dem alle Smartphones seitdem folgen. Im Oktober 2008 folgte mit dem HTC Dream das erste Android-Handy. Die Details zu diesen beiden Geräten stehen in den Artikeln zum ersten iPhone und zum ersten Android-Handy.

Jahr Gerät Hersteller Was war neu Preis zum Start
1994 Simon Personal Communicator IBM / BellSouth Erstes Handy mit Touchscreen, E-Mail, Fax, Programmen 899 Dollar mit Vertrag
1996 9000 Communicator Nokia Tastatur, Internet, E-Mail, Fax im Klapphandy ca. 2.700 Mark
1997 GS88 „Penelope“ Ericsson Erstes Gerät mit dem Wort „Smartphone“, nie verkauft kein Verkauf
2000 R380 Ericsson Erstes als „Smartphone“ verkauftes Handy, Symbian-Vorläufer ca. 700 Dollar
2001 9210 Communicator Nokia Farbdisplay, Symbian OS 6.0 nicht belegt
2002 BlackBerry 5810 RIM Erster BlackBerry mit Telefon nicht belegt
2007 iPhone Apple Multitouch, keine Tastatur, voller Browser 499 / 599 Dollar
2008 HTC Dream (T-Mobile G1) HTC / Google Erstes Android-Handy 179 Dollar mit Vertrag

Wann gab es das erste Smartphone in Deutschland?

Das erste Smartphone, das du in Deutschland kaufen konntest, war der Nokia 9000 Communicator im August 1996. Der Preis von rund 2.700 Mark entsprach etwa 1.380 Euro. Das erste Gerät mit dem Namen „Smartphone“ folgte mit dem Ericsson R380 im Jahr 2000. Die Fachseite teltarif testete das Modell R380e Anfang 2001.

Den Durchbruch brachte das iPhone. Es kam am 9. November 2007 nach Deutschland, exklusiv bei T-Mobile. Das Modell mit 8 Gigabyte kostete 399 Euro mit Zweijahresvertrag. Der Verkauf startete um Mitternacht im Telekom-Shop in Köln. Das Gerät war an das T-Mobile-Netz gebunden. Wie das funktionierte, erklärt die Seite zum Simlock bei Handys. Vodafone klagte dagegen und erwirkte eine einstweilige Verfügung. T-Mobile bot das iPhone daraufhin kurz ohne Simlock für 999 Euro an. Dann kippte das Landgericht Hamburg die Verfügung und die Exklusivität blieb.

Zahl im Blick

Zwischen dem ersten Smartphone und dem ersten iPhone lagen 13 Jahre. Der Simon verkaufte sich 50.000 Mal. Vom ersten iPhone setzte Apple rund 6,1 Millionen Stück ab, mehr als das Hundertfache.

Häufige Fragen

Wann gab es das erste Smartphone?

Der IBM Simon kam am 16. August 1994 in den USA in den Handel. Vorgestellt wurde der Prototyp schon im November 1992 auf der COMDEX in Las Vegas.

Wer hat das erste Smartphone erfunden?

Der IBM-Ingenieur Frank Canova entwickelte den Simon. Gebaut wurde das Gerät von Mitsubishi Electric, verkauft hat es der US-Anbieter BellSouth.

Wie viel kostete das erste Smartphone?

Der IBM Simon kostete 899 Dollar mit Zweijahresvertrag und 1.099 Dollar ohne Vertrag. Später sank der Preis auf 599 Dollar.

Welches Gerät hieß als erstes „Smartphone“?

Ericsson nutzte das Wort 1997 für den Prototyp GS88. Das erste verkaufte Gerät mit dieser Bezeichnung war der Ericsson R380 im Jahr 2000.

Wann gab es das erste Smartphone in Deutschland?

Der Nokia 9000 Communicator kam am 15. August 1996 für rund 2.700 Mark auf den Markt. Das iPhone folgte am 9. November 2007 bei T-Mobile für 399 Euro mit Vertrag.

War der Nokia 9000 Communicator ein Smartphone?

Ja, nach heutigem Verständnis. Er hatte Tastatur, E-Mail, Fax, Browser und ein Betriebssystem mit Programmen. Nokia nannte ihn aber „Communicator“, nicht Smartphone.

Quellen

  1. IBM Simon, Wikipedia (englisch)
  2. IBM Simon: Erstes Smartphone feiert 20. Geburtstag, Der Standard
  3. 25 Jahre Nokia Communicator: Auftakt der Smartphone-Ära, t-online / dpa
  4. 25 Jahre Nokia Communicator, it-daily.net
  5. Ericsson R380, Wikipedia (englisch)
  6. What was the first smartphone?, Cambridge Wireless
  7. Das iPhone kommt am 9. November bei T-Mobile, ifun.de
  8. Vodafone: Einstweilige Verfügung gegen iPhone-Kopplung, iphone-ticker.de