Das Handy hat Martin Cooper erfunden. Der Motorola-Ingenieur, geboren am 26. Dezember 1928 in Chicago, führte am 3. April 1973 in New York den ersten Anruf mit einem tragbaren Mobiltelefon. Sein Team entwickelte daraus das Motorola DynaTAC 8000X, das 1983 zugelassen wurde.
Ganz allein war Cooper aber nicht. Die Form des Geräts stammt vom Designer Rudy Krolopp. Das Zellprinzip, auf dem jedes Mobilfunknetz beruht, hatten Ingenieure der Bell Labs schon 1947 beschrieben. Und mobile Telefone gab es vor Cooper längst, nur eben im Auto. Dieser Beitrag zeigt, wer welchen Anteil an der Erfindung hat und warum Cooper trotzdem als Vater des Handys gilt. Die wichtigsten Stationen der Entwicklung findest Du gesammelt in unserem Überblick zu den Meilensteinen der Handy-Geschichte.
Wer ist Martin Cooper?
Martin Cooper wurde am 26. Dezember 1928 in Chicago geboren. Er studierte am Illinois Institute of Technology Elektrotechnik, machte 1950 seinen Abschluss und 1957 seinen Master. 1954 kam er zu Motorola. Dort blieb er 29 Jahre und stieg bis zum Vizepräsidenten und Leiter der Forschung und Entwicklung auf.
In den 1960er Jahren arbeitete Cooper an Funkgeräten für Polizei und Rettungsdienste. Daraus kam seine Überzeugung, dass Menschen mobil telefonieren wollen und nicht Autos. Diese Idee stand gegen das Konzept von AT&T, das den Mobilfunk nur für Autotelefone plante. Nach seiner Zeit bei Motorola gründete Cooper mehrere Firmen, darunter ArrayComm, die an Antennentechnik arbeitete.
Kurz gesagt
Martin Cooper, geboren am 26. Dezember 1928 in Chicago, leitete bei Motorola das Team, das 1973 das erste tragbare Mobiltelefon baute. Das Design kam von Rudy Krolopp, die Netztechnik beruht auf einem Konzept der Bell Labs aus dem Jahr 1947.
Wie lief der erste Handy-Anruf am 3. April 1973 ab?
Motorola hatte Journalisten nach New York eingeladen, um das neue Gerät zu zeigen. Vor dem Hilton an der Sixth Avenue zwischen 53. und 54. Straße nahm Cooper den Prototyp und wählte eine Nummer bei den Bell Labs. Am anderen Ende meldete sich Joel Engel. Engel leitete bei den Bell Labs die Entwicklung des Mobilfunks für Autos und war damit Coopers wichtigster Gegenspieler.
Cooper erzählte später, er habe Engel gesagt, dass er von einem echten tragbaren Mobiltelefon aus anrufe. Engel sei höflich geblieben. Der Prototyp wog etwa 1,1 Kilogramm und war rund 25 Zentimeter lang. Der Akku hielt je nach Quelle 25 bis 35 Minuten. Am 17. Oktober 1973 reichte Motorola das Patent für das Funktelefonsystem in den USA ein.
Dieses Datum gilt als Geburtsstunde des Handys. Bis zum ersten kaufbaren Gerät dauerte es aber noch zehn Jahre. Was in dieser Zeit passierte, liest Du im Beitrag Wann gab es das erste Handy?.
Welche Rolle spielte Rudy Krolopp beim DynaTAC?
Rudolph „Rudy“ Krolopp war Industriedesigner bei Motorola. Er kam 1956 als junger Designer ins Unternehmen und leitete von 1982 bis zu seinem Ruhestand 1997 die Designabteilung. Cooper bat Krolopp und sein Team Ende 1972, eine Form für das tragbare Telefon zu entwickeln. Das Team hatte nach eigener Erzählung nur rund sechs Wochen Zeit, um ein funktionierendes Gerät für die Vorführung fertigzustellen.
Das Ergebnis nannten die Designer intern „Schuh-Telefon“, weil der Block an einen Stiefel erinnerte. Krolopp und sein Team gestalteten später auch das Motorola MicroTAC von 1989 und das StarTAC von 1996. Der Berufsverband IDSA nennt als weitere Mitentwickler des DynaTAC 8000X den Ingenieur Donald Linder. Krolopp starb am 23. Juni 2023.
Ohne Krolopp gäbe es den Namen „Knochen“ für die ersten Handys vermutlich nicht. Die längliche Form, die er für Motorola prägte, bestimmte das Aussehen der Mobiltelefone bis in die 1990er Jahre. Welche Geräte Motorola danach baute, zeigt unsere Seite zu Motorola Handys.
Was haben die Bell Labs mit der Erfindung zu tun?
Das Handy braucht ein Netz. Dieses Netz beruht auf dem Zellprinzip: Viele kleine Sender teilen eine Region in Zellen auf, und dieselben Frequenzen werden in getrennten Zellen mehrfach genutzt. Diese Idee stammt nicht von Motorola. Am 11. Dezember 1947 beschrieb der Bell-Labs-Ingenieur Douglas H. Ring in einer internen Mitteilung ein solches System. Sein Kollege W. Rae Young hatte das sechseckige Zellmuster vorgeschlagen.
1947 fehlten die Technik und die Frequenzen, um das Konzept umzusetzen. In den 1960er Jahren arbeiteten Richard Frenkiel und Joel Engel bei den Bell Labs die Details aus. AT&T plante den Mobilfunk aber für Autotelefone. Das Unternehmen hatte seit 1946 den Autotelefondienst MTS in den USA betrieben und sah im tragbaren Gerät keinen Markt.
Genau hier setzte Cooper an. Er wollte zeigen, dass ein Gerät in der Hand funktioniert, bevor die US-Behörde FCC die Frequenzen allein an AT&T vergibt. Die Vorführung von 1973 war also auch ein politischer Schritt im Wettbewerb um den Mobilfunkmarkt. Wie sich daraus die Mobilfunkgenerationen entwickelten, erklärt unser Beitrag zu den Mobilfunk-Generationen.
Gab es vor Cooper schon Mobiltelefone?
Ja. Mobile Telefone gab es seit 1946, aber nur in Fahrzeugen. Am 17. Juni 1946 startete in St. Louis der erste öffentliche Autotelefondienst. Die Technik wog rund 36 Kilogramm. Am 25. April 1956 ging in Stockholm das System MTA von Ericsson in Betrieb. Es war das erste vollautomatische Autotelefonnetz der Welt. Die Teilnehmer wählten selbst, ohne Vermittlung. Die Geräte wogen etwa 40 Kilogramm und brauchten eine zusätzliche Autobatterie.
In Deutschland startete die Bundespost 1958 das A-Netz. Die Autotelefone wogen rund 16 Kilogramm und kosteten etwa 15.000 D-Mark. Eine Telefonistin stellte jede Verbindung von Hand her. Diese Geräte waren mobil, aber nicht tragbar. Coopers Leistung war, Sender, Empfänger, Steuerung und Akku so zu verkleinern, dass alles in ein Gerät für die Hand passte. Mehr zu diesen Vorläufern steht im Beitrag Autotelefon und Koffertelefon: die Vorgänger vom Handy.
| Jahr | Person oder Firma | Beitrag zur Erfindung des Handys |
|---|---|---|
| 1946 | AT&T, Bell System | Erster Autotelefondienst MTS in St. Louis, Geräte rund 36 kg |
| 1947 | Douglas H. Ring, W. Rae Young (Bell Labs) | Interne Mitteilung vom 11. Dezember 1947 mit dem Zellprinzip und sechseckigen Zellen |
| 1956 | Ericsson, Televerket (Schweden) | Erstes vollautomatisches Autotelefonnetz MTA, Geräte rund 40 kg |
| 1958 | Deutsche Bundespost | A-Netz, handvermittelte Autotelefone, rund 16 kg |
| 1960er | Richard Frenkiel, Joel Engel (Bell Labs) | Ausarbeitung des zellularen Systems für Autotelefone |
| 1972 bis 1973 | Rudy Krolopp (Motorola) | Design des ersten Handgeräts, Form des „Schuh-Telefons“ |
| 3. April 1973 | Martin Cooper (Motorola) | Erster Anruf mit einem tragbaren Mobiltelefon, Prototyp rund 1,1 kg |
| 17. Oktober 1973 | Motorola | Patentanmeldung für das Funktelefonsystem in den USA |
| 21. September 1983 | Motorola | FCC-Zulassung für das DynaTAC 8000X |
| 1984 | Motorola | Verkaufsstart des DynaTAC 8000X für 3.995 US-Dollar |
Warum dauerte es zehn Jahre bis zum fertigen Handy?
Nach der Vorführung von 1973 fehlten zwei Dinge: ein Netz und eine Zulassung. Die FCC vergab die Frequenzen für den zellularen Mobilfunk erst Anfang der 1980er Jahre. Motorola musste zudem die Technik des Prototyps für die Serienfertigung verkleinern und verbilligen. Nach Angaben von Motorola kostete die Entwicklung bis zur Zulassung mehr als 100 Millionen US-Dollar.
Am 6. März 1983 stellte Motorola das DynaTAC 8000X vor. Am 21. September 1983 kam die FCC-Zulassung. Am 13. Oktober 1983 startete in Chicago das erste kommerzielle AMPS-Netz der USA. 1984 ging das Gerät für 3.995 US-Dollar in den Verkauf. Es wog rund 790 Gramm und bot etwa 30 Minuten Gesprächszeit.
Welche Auszeichnungen hat Martin Cooper bekommen?
Cooper gilt in der Fachwelt als Vater des Handys und hat dafür die wichtigsten Technikpreise erhalten. Die Liste nach Angaben der deutschen und englischen Wikipedia:
- 1995: Wharton Infosys Business Transformation Award
- 2009: Prinz-von-Asturien-Preis für technische und wissenschaftliche Forschung, gemeinsam mit Ray Tomlinson, dem Erfinder der E-Mail
- 2013: Charles Stark Draper Prize der US-Ingenieurakademie, gemeinsam mit vier weiteren Pionieren des Mobilfunks
- 2013: Marconi-Preis
- 2015: IEEE Masaru Ibuka Consumer Electronics Award
- 2025: National Medal of Technology and Innovation der USA
Cooper selbst betont in Interviews, dass ein Team das Handy entwickelt hat. Er nennt oft Krolopp und die Ingenieure, die den Prototyp in wenigen Monaten bauten. Als Erfinder gilt er trotzdem, weil er die Idee des tragbaren Telefons gegen das Autotelefon-Konzept von AT&T durchsetzte und den ersten Anruf führte.
Gut zu wissen
Der Begriff „Handy“ ist eine deutsche Erfindung. Bosch nannte 1989 ein C-Netz-Gerät „Handy C9“, Loewe 1992 das „HandyTel 100“. In den USA sagt man „cell phone“, in Großbritannien „mobile“.
Häufige Fragen
Wer hat das Handy erfunden?
Martin Cooper von Motorola gilt als Erfinder des Handys. Er führte am 3. April 1973 den ersten Anruf mit einem tragbaren Mobiltelefon und leitete das Team, das daraus das DynaTAC 8000X entwickelte.
Wann wurde Martin Cooper geboren?
Martin Cooper wurde am 26. Dezember 1928 in Chicago geboren. Er arbeitete von 1954 bis 1983 bei Motorola.
Wen rief Martin Cooper beim ersten Handy-Anruf an?
Er rief Joel Engel an, den Leiter der Mobilfunkentwicklung bei den Bell Labs von AT&T. Engel war sein direkter Konkurrent.
Wer hat das Design des ersten Handys entworfen?
Das Design des DynaTAC stammt vom Motorola-Designteam unter Rudy Krolopp. Er leitete von 1982 bis 1997 die Designabteilung von Motorola.
Haben die Bell Labs das Handy erfunden?
Die Bell Labs erfanden 1947 das Zellprinzip für Mobilfunknetze, aber kein tragbares Telefon. Sie planten den Mobilfunk für Autotelefone.
Welche Preise hat Martin Cooper erhalten?
Cooper erhielt unter anderem 2009 den Prinz-von-Asturien-Preis, 2013 den Marconi-Preis und den Draper Prize sowie 2025 die National Medal of Technology and Innovation.
Quellen
- Martin Cooper (inventor), Wikipedia (englisch)
- Martin Cooper, Wikipedia (deutsch)
- Cell Phone Development, Motorola Solutions Heritage
- Rudolph W. Krolopp, Industrial Designers Society of America
- Douglas H. Ring, Wikipedia (englisch)
- History of mobile phones, Wikipedia (englisch)
- The Lauhrén system, Ericsson History
- Das Telefon wird mobil, Museumsstiftung Post und Telekommunikation (PDF)